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Neues aus Windows Phone 8.1

Annäherungen


Für den Endanwender tat sich beim Sprung von Windows Phone 7 auf Windows Phone 8 vergleichsweise wenig. Aus Entwicklersicht waren die Änderungen signifikanter: Neben der C++-Unterstützung spendierte Microsoft seinen Programmiererhorden diverse neue APIs. Doch wie steht es um Version 8.1?

Im Hintergrund von Windows Phone 8 wurde der von Windows Phone 7 verwendete proprietäre Kernel durch eine „standardkonformere“ Version ersetzt. Diese hatte mehr Ähnlichkeiten zu den Betriebssystemkernen von Windows und Windows RT – als Fernziel wurde die Vereinheitlichung der Programmierschnittstellen angegeben.

Mit Windows Phone 8.1 löst Microsoft dieses Versprechen nun ein. Das Mobilbetriebssystem unterstützt ab sofort das komplette Windows Runtime API, wodurch sich – zumindest in der Theorie – plattformübergreifende Applikationen realisieren lassen. Natürlich wird es auch in Zukunft einige Funktionen geben, die nur auf bestimmten Gerätetypen sinnvoll sind – im Großen und Ganzen soll jedoch „Einigkeit“ herrschen.

Leider werden im Rahmen dieser Umstellung einige „Opfer“ notwendig. Die unter Windows Phone 8.0 zur Verfügung stehenden APIs laufen fortan unter der Bezeichnung „Silverlight“. Darauf basierende Programme lassen sich zwecks Abwärtskompatibilität zu Windows Phone 7 bzw. 8 nach wie vor entwickeln, sind aber über kurz oder lang Auslaufmodelle.

Neues für den Anwender

Nutzer interessieren sich normalerweise nicht für Betriebssystemupdates. Im Fall von Windows Phone 8.1 dürfte die Lage etwas anders aussehen, da das System einige sehr nützliche Features mitbringt. Das Betriebssystem war Android und iOS bisher unterlegen, da es ohne leistungsfähige Spracherkennung auskommen musste. Microsofts Antwort auf Siri und Google Now hört auf den Namen Cortana, und ist – vorerst – nur in Amerika verfügbar. Analysten bescheiden dem Programm in ersten Tests durchaus beachtliche Performance; bis zum Europastart im Jahr 2015 dürfte Redmond die verbliebenen Schwächen ausmerzen.

Action Center wurde ebenfalls von der Konkurrenz „übernommen“. Es handelt sich dabei um eine durch einen umgekehrten Ronamatic Stroke aufrufbare Anzeigefläche, die – wie in Abbildung 1 gezeigt – eingehende Ereignisse anzeigt.

Windows Mobile erlaubte seinen Benutzern die Zuweisung eines beliebigen Hintergrundfotos. Windows Phone 8.1 bringt dieses Feature – wenn auch in stark abgeschwächter Form – zurück. Der neue Homescreen hinterlegt die Kacheln von kooperativen Programmen mit einem ausgewählten Fotomotiv, was zum in Abbildung 2 gezeigten Resultat führt.

hanna_wp81_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Hier ist die Abarbeitung einer eingehenden Nachricht notwendig
hanna_wp81_2.tif_fmt1.jpgAbb. 2: Wenn ein Programm keine Hintergründe unterstützt, so wird das Wallpaper „unterbrochen“

Im Bereich der Tastatur schließt man ebenfalls zur Konkurrenz auf. Nutzer dürfen ihr Telefon ab sofort mit den von Swype und TouchPal bekannten Gesten traktieren, wodurch das mühevolle und zeitaufwändige Antippen der einzelnen Zifferntasten entfällt.

Zu guter Letzt gibt es diverse kleine Änderungen. Nutzer wünschten sich in der Vergangenheit die Möglichkeit zur separaten Einstellung von Medien- und Klingeltonlautstärke – ein Feature, das von Seiten Microsofts nachgerüstet wird.

Achtung: WiFi Sense teilt Ihre WLAN-Zugangsdaten

Die Nutzung von WLAN gewann in den letzten Jahren stark an Bedeutung. Die Basisversion eines WiFi Sense genannten Diensts erleichtert Ihnen den Verbindungsaufbau zu öffentlichen Netzwerken. Auf Wunsch füllt der Service sogar die AGB-Formulare mit von Microsoft vorgegebenen Dummydaten.

Hinter der markierten Checkbox verbirgt sich ein weit sinistreres Feature. Sobald Sie den Haken an dieser Stelle setzen, teilt Windows Phone die Zugangsdaten aller eingegebenen Netzwerke mit den im jeweiligen sozialen Netzwerk befindlichen Freunden. Microsoft verspricht zwar, dass diese keinen Zugriff auf das Password bekommen – dies ist insofern irrelevant, als sie mit einem in ihrem Funknetzwerk marodierenden Windows Phone ausreichend Schaden anrichten können.

Neues Werkzeug braucht das Land

Die SDKs für Windows Phone wurden bisher als modulares Paket angeboten: Wer die Binärdatei herunterlud, bekam IDE, SDK und Emulatoren auf einen Satz. 8.1 wird stattdessen in modularer Form heruntergeladen. Wer die unter [1] befindliche SDK-Downloadseite besucht, bekommt drei voneinander unabhängige Komponenten angeboten.

Als Erstes muss – normalerweise – Visual Studio 2013 Express for Windows auf Ihren Rechner. Die bisher für Windows Phone vorgesehene „Spezialversion“ der IDE ist nicht mehr notwendig, da das System ja auf der gemeinsamen Windows Runtime basiert. Wenn Sie eine frühere Version von VS 2013 installiert haben, so müssen Sie stattdessen das ebenda angebotene Updatepaket installieren. Als letzten Akt können Sie – bei Bedarf – die eher gemächlich arbeitenden Emulatoren nachschieben. Microsoft hat sie mit einigen neuen Features ausgestattet, die im folgenden Abschnitt im Detail besprochen werden. Wer das SDK direkt mit dem Installer auf seinen Rechner jagt, erspart sich das Hantieren mit diesem Paket.

Falls Ihr Netzbetreiber bzw. Ihr Gerätehersteller das für Sie notwendige Update noch nicht freigegeben hat, so müssen Sie die Developer Preview installieren. Dabei geht – wie schon bei Mango und Tango – die Herstellergarantie verloren, was in der Praxis aber ohne besondere Relevanz ist.

Wenn Sie als Entwickler angemeldet sind, können Sie eine als „Developer Preview“ bezeichnete Applikation aus dem Store auf Ihr Telefon herunterladen. Folgen Sie danach den am Bildschirm angezeigten Anweisungen, um den Installationsprozess anzustoßen. Je nach Grad der Aktualität Ihres Handys sind mitunter mehrere Updatevorgänge notwendig.

Geänderte Projektstruktur

Wer Visual Studio 2013 zum ersten Mal startet, findet im Projekterstellungs-Wizard diverse neue Vorlagen. Nach dem Erstellen einer Solution vom Typ „Blank App (Universal)“ dürfen Sie sich an einer aus mehreren Subprojekten bestehenden Solution erfreuen. Jedes von ihnen ist – frei nach der von XNA bekannten Vorgehensweise – für eine Plattform zuständig.

Die Auswahl des zu debuggenden Projekts erfolgt durch einen Rechtsklick und die Wahl der Option „Set as StartUp Project“. Visual Studio stellt den Namen der Projektmappe ab diesem Zeitpunkt fett dar, die Inhalte der Debugging-Schaltflächen in der Toolbar werden ebenfalls angepasst.

Beachten Sie bitte, dass Sie es in VS 2013 – anders als in XNA – mit zwei komplett verschiedenen Lösungen zu tun haben: Alle Dateien sind auf der Festplatte in zwei Versionen verfügbar, Änderungen an einer der beiden werden nicht automatisch auf die andere gespiegelt.

Gemeinsame Logik lässt sich nur durch das Anlegen einer Klassenbibliothek erstellen. Dazu müssen Sie Ihre Projektmappe um ein drittes Subprojekt erweitern, auf das von Seiten der beiden GUI-Projekte verwiesen wird.

Teste mich

Windows Phone 7 erfreute Entwickler mit einem schnell reagierenden Simulator. Seit der achten Version des Betriebssystems setzt Microsoft auf einen Emulator mit Hardwarevirtualisierung, was der Performance alles andere als zuträglich ist. Kurz gefasst: Wer mit einem echten Telefon testen kann, sollte dies auf jeden Fall tun.

Die Emulatoren bekamen trotzdem einige neue Funktionen. Der Multi-Touch-Simulator erlaubt Ihnen das Nachbilden von Zweifingergesten mit der Maus: Die nach dem Anklicken der Hand erscheinenden „Zugpunkte“ müssen nacheinander verschoben werden, um Swipes oder Pinches zu simulieren.

Hinter den Windows Phone Developer Power Tools verbirgt sich eine Gruppe von Werkzeugen, die auf die Fehlersuche spezialisiert sind. Der Application Verif...

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