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Teil 3: Userverhalten ist rational

UX-Missverständnisse


TL;DR: User handeln nicht immer rational. Stattdessen muss man auch immer die Möglichkeit von irrationalen Urteilen im Auge behalten. Allerdings lässt sich eine solche Irrationalität mit Analysen durchaus vorhersagen.

Die meisten Irrtümer im Umgang mit der User Experience basieren auf falschen Annahmen hinsichtlich der Interaktion von Usern mit digitalen Produkten. Was oftmals gut gemeint ist, kann die Konversion und Beliebtheit des eigenen Projekts stark gefährden. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, stellen wir in dieser Artikelserie die häufigsten UX-Missverständnisse vor. Heute: Userverhalten ist rational.

Die Vorstellung des Homo oeconomicus dient sowohl in den Wirtschaftswissenschaften als auch in der modernen Spieltheorie als theoretisches Konzept, um das Handeln von rationalen Akteuren angemessen zu beschreiben. Nach diesem Modell handelt der Mensch immer dann rational, wenn er so agiert, dass er einen maximalen Nutzen aus seinen Handlungen zieht. Entscheidungen werden demzufolge so gefällt, dass immer diejenige Handlungsalternative einer anderen vorgezogen wird, die einem Akteur mehr nützt. Folglich orientiert sich die Präferenzordnung eines rational handelnden Menschen am Prinzip der Nutzenmaximierung.

In den Wirtschaftswissenschaften wird das Konzept des Homo oeconomicus in erster Linie als deskriptives Verhaltensmodell verwendet. Ziel ist es, das durchschnittliche Verhalten von Gruppen und nicht primär das Handeln jedes Einzelnen zu erklären. Abweichungen sind hierbei die Regel; angenommen wird allerdings, dass die meisten Handlungsentscheidungen von Akteuren durch dieses Modell hinreichend erfasst werden können.

Für die Optimierung der User Experience des eigenen Projekts [1] ist das Modell des Homo oeconomicus äußerst reizvoll. In der Regel stehen im Mittelpunkt der Analysen weniger die einzelnen User, sondern die Erwartungen und die damit verknüpften Handlungen von unterschiedlichen Zielgruppen. Falls die wirtschaftswissenschaftlichen Annahmen zutreffen sollten, könnte man sich einen Großteil der zeitintensiven Grundlagenforschungen sparen. Anstatt zu untersuchen, was User grundsätzlich interessiert und worauf sie wie reagieren, müsste ein Produkt in erster Linie nur so entworfen und gestaltet sein, dass es von besonderem Nutzen für die Benutzer ist.

Umfangreiche Datenakquisition und Verhaltensanalysen könnten durch eine gezielte Nutzen-Kosten-Kalkulation ersetzt werden. Allein getestet werden müsste, ob ein Produkt tatsächlich einen bestimmten Vorteil bringt und worin dieser liegt. Die User Experience eines Projekts wäre demzufolge immer dann besonders hoch, wenn das Produkt von den Usern als nützlicher eingestuft wird als etwaige Konkurrenzartikel. Werden diese Parameter erfüllt, sol...

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