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Teil 1: Tabuthema Burn-out: Daten, Zahlen, Fakten

Mit Vollgas in das Burn-out


80 Stunden pro Wochen arbeiten, im Büro schlafen und von Kaffee, Zigaretten und Fastfood leben: Das gibt es nicht nur im Silicon Valley. Und es ist ungesund. Wie steht es um die Gesundheit in der IT-Branche?

Das Burn-out ist in aller Munde und doch ein Tabuthema: Wer wirklich davon betroffen ist, schweigt häufig über seinen Zustand, aus Angst um die Karriere. Und das ist durchaus verständlich, wenn man sich ansieht, wie Alex St. John erst im April dieses Jahres über die Arbeitsbedingungen in der Spielebranche sprach [1]: Wer dort unbezahlte Überstunden schiebt, habe nämlich gar keinen Grund, sich zu beschweren, findet er. Und somit erst recht keinen Grund dafür, krank zu werden. Das bisschen Stress, das ist doch normal! Mit dieser Einstellung ist St. John nicht alleine. Viele Arbeitgeber erwarten von ihren Entwicklern, kurz vor Ablauf der Deadline 80 Stunden und mehr zu arbeiten, um rechtzeitig fertig zu werden.

Wie viel Arbeit ist normal?

Infolge seiner Meinungsäußerung erlebte St. John jedoch, dass diese Sichtweise keineswegs von der gesamten Branche geteilt wird [2]: Zahlreiche Entwickler liefen Sturm gegen seine Vorstellung, dass der Wunsch nach guten Arbeitsbedingungen in der Spieleindustrie nichts zu suchen hätte. Das ist gut so. Diese Ausgangssituation bietet die Bühne für eine offene Diskussion darüber, ob die heutige IT-Branche ihre Angestellten verheizt.

St. Johns Argumentation hat nämlich einen zentralen Fehler: Als er in den 1990er-Jahren 120 Stunden pro Woche für Microsoft arbeitete, bekam er dafür Aktienanteile und machte ein Vermögen damit. Wer heute 80 Stunden pro Woche im Büro verbringt und nur 40 davon bezahlt bekommt, befindet sich aber zumeist in einer ganz anderen Situation. Wertvolle Geschäftsanteile werden nur noch selten an Angestellte verteilt – die Branche hat sich also verändert, die Ansprüche an die Angestellten sind jedoch gleich geblieben. Insofern ist anzunehmen, dass auch die Auswirkungen auf Angestellte heute andere sind als damals.

Und ganz davon abgesehen soll ja selbst St. John 1997 aufgrund eines Burn-outs bei Microsoft ausgeschieden sein. Dennoch spricht er heute – wenn Menschen verlangen, nicht dauerhaft über die Grenzen ihrer Belastbarkeit hinausgehen zu müssen, um ihren Job zu behalten – von einer „Lohnsklavenmentalität“, die Unternehmen und Projekten schade. Worum geht es also wirklich?

Burn-out-Bedingungen im Silicon Valley

In der Spiele- und Softwareentwicklungsindustrie liegen Vor- und Nachteile so nah bei einander wie nur selten: Moderne Büros mit Chill-out-Lounges, kostenlosen Snacks und Kickertischen sowie ein Überangebot an Stellen locken viele junge Menschen an, die mit hohen Idealen und viel Leidenschaft in den Job starten. Sie investieren gerne etwas mehr Zeit in den Job, weil sie lieben, was sie tun. Das alles kann aber schnell zur Falle werden: Wer in Schlafsessel für das Büro investiert, hat dabei einen Hintergedanken – nämlich den, dass Angestellte diese Sessel wohl brauchen werden, wenn sie bis spät in die Nacht hinein arbeiten müssen. Und wenn es an Fachkräften mangelt, müssen auch unterbesetzte Teams den Job innerhalb der Deadline erledigen, koste es (menschlich) was es wolle. Wer aber für seinen Job brennt, ohne Erfolge zu sehe...

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