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PHP Magazin
Interview mit Wolfgang Gründinger zum Thema Big/Smart Data

Interview mit Wolfgang Gründinger zum Thema Big/Smart Data

Für den Einsatz von Big-Data-Analysen müssen große Datenmengen gesammelt werden - das steckt schließlich schon im Namen. Die Auswertung dieser Daten wirft jedoch etliche, zum Teil neue ethische Fragen auf. Dabei steckt das in den Daten schlummernde Potenzial voller Chancen für eine bessere Zukunft.

Wolfgang Gründinger


PHP Magazin: Herr Gründinger, seit vielen Jahren generieren Deutsche – bewusst oder unbewusst – riesige Datenberge; sei es mit dem Smartphone, beim normalen Surfen im Netz oder über Wearables. Woher kommt nun die Angst, wenn man sich vorstellt, was mit diesen Daten alles geschehen könnte? Wolfgang Gründinger: Eine gesunde Skepsis gegenüber Staat und Unternehmen ist ja durchaus angebracht. Menschen haben ein Recht darauf, zu erfahren, welche ihrer persönlichen Daten gespeichert werden und was mit ihnen geschieht. Das muss auch klar geregelt sein, weil ja auch Missbrauch betrieben werden kann. Wir haben in Deutschland – anders als etwa in den USA – außerdem zwei Diktaturen in jüngerer Zeit erlebt, in denen die Überwachung der Bürger zum Staatskonzept gehörte. Das mag ein Grund für die Besorgnis sein. Andererseits erheben wir selbst eine große Datenfülle, etwa durch Smartphones und Wearables, deren Analyse uns selbst und der Gesellschaft nutzen könnte. Nur ein Beispiel: Die Vernetzung von Autos und der Verkehrsinfrastruktur, wie Parkplätze und Ladesäulen, kann den Verkehr effizienter leiten, Staus und klimaschädliche Abgase reduzieren. Damit ist mir selbst geholfen, weil ich schneller und stressfreier am Ziel ankomme und auch noch Benzinkosten spare; und es gibt einen Mehrwert für gesellschaftlichen Fortschritt, weil weniger Ressourcen verbraucht und Emissionen reduziert werden. Dazu braucht es aber die Auswertung großer Datenmengen, die möglicherweise auch in die Privatsphäre eingreifen können.PM: Ist diese doch sehr diffuse Angst ein urdeutsches „Problem“?Gründinger: Ich halte nicht viel von dem Mythos der „German Angst“. Internationale soziologische Vergleichsstudien und technikhistorische Betrachtungen ergeben wenig Evidenz, dass die Deutschen technikfeindlicher sind als andere. Denken Sie alleine an die Atomeuphorie der 1950er Jahre, als die ganze Nation nur noch von Kernkraft träumte. Sogar die Autos sollten mit Kernenergie fahren, das war damals eine positiv besetzte Zukunftsvision. Den Sorgen der Menschen muss man mit Aufklärung und Argumenten begegnen, nicht mit kulturpessimistischen Keulen.PM: Laufen wir in Deutschland Gefahr, uns in Diskussionen verstricken zu lassen und so den (auch oder gerade wirtschaftlichen) Anschluss an den Rest der Welt zu verlieren?Gründinger: Deutschland verschläft die digitale Transformation. Internet ist bei uns langsam und teuer, Glasfaser und offenes WLAN sind kaum vorhanden, und immer wieder legt die Politik der di...

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Interview mit Wolfgang Gründinger zum Thema Big/Smart Data

Interview mit Wolfgang Gründinger zum Thema Big/Smart Data

Für den Einsatz von Big-Data-Analysen müssen große Datenmengen gesammelt werden - das steckt schließlich schon im Namen. Die Auswertung dieser Daten wirft jedoch etliche, zum Teil neue ethische Fragen auf. Dabei steckt das in den Daten schlummernde Potenzial voller Chancen für eine bessere Zukunft.

Wolfgang Gründinger


PHP Magazin: Herr Gründinger, seit vielen Jahren generieren Deutsche – bewusst oder unbewusst – riesige Datenberge; sei es mit dem Smartphone, beim normalen Surfen im Netz oder über Wearables. Woher kommt nun die Angst, wenn man sich vorstellt, was mit diesen Daten alles geschehen könnte? Wolfgang Gründinger: Eine gesunde Skepsis gegenüber Staat und Unternehmen ist ja durchaus angebracht. Menschen haben ein Recht darauf, zu erfahren, welche ihrer persönlichen Daten gespeichert werden und was mit ihnen geschieht. Das muss auch klar geregelt sein, weil ja auch Missbrauch betrieben werden kann. Wir haben in Deutschland – anders als etwa in den USA – außerdem zwei Diktaturen in jüngerer Zeit erlebt, in denen die Überwachung der Bürger zum Staatskonzept gehörte. Das mag ein Grund für die Besorgnis sein. Andererseits erheben wir selbst eine große Datenfülle, etwa durch Smartphones und Wearables, deren Analyse uns selbst und der Gesellschaft nutzen könnte. Nur ein Beispiel: Die Vernetzung von Autos und der Verkehrsinfrastruktur, wie Parkplätze und Ladesäulen, kann den Verkehr effizienter leiten, Staus und klimaschädliche Abgase reduzieren. Damit ist mir selbst geholfen, weil ich schneller und stressfreier am Ziel ankomme und auch noch Benzinkosten spare; und es gibt einen Mehrwert für gesellschaftlichen Fortschritt, weil weniger Ressourcen verbraucht und Emissionen reduziert werden. Dazu braucht es aber die Auswertung großer Datenmengen, die möglicherweise auch in die Privatsphäre eingreifen können.PM: Ist diese doch sehr diffuse Angst ein urdeutsches „Problem“?Gründinger: Ich halte nicht viel von dem Mythos der „German Angst“. Internationale soziologische Vergleichsstudien und technikhistorische Betrachtungen ergeben wenig Evidenz, dass die Deutschen technikfeindlicher sind als andere. Denken Sie alleine an die Atomeuphorie der 1950er Jahre, als die ganze Nation nur noch von Kernkraft träumte. Sogar die Autos sollten mit Kernenergie fahren, das war damals eine positiv besetzte Zukunftsvision. Den Sorgen der Menschen muss man mit Aufklärung und Argumenten begegnen, nicht mit kulturpessimistischen Keulen.PM: Laufen wir in Deutschland Gefahr, uns in Diskussionen verstricken zu lassen und so den (auch oder gerade wirtschaftlichen) Anschluss an den Rest der Welt zu verlieren?Gründinger: Deutschland verschläft die digitale Transformation. Internet ist bei uns langsam und teuer, Glasfaser und offenes WLAN sind kaum vorhanden, und immer wieder legt die Politik der di...

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