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Crowdtesting in der Qualitätssicherung

Die Massenjagd nach den Fehlern


Schon wieder eine neue Methode in der Qualitätssicherung, denkt sich der ein oder andere und hat dabei nicht ganz unrecht. Doch gerade jetzt schreit der Markt nach Lösungen, um hochwertige Software auf dem Markt zu platzieren und auf unzähligen Devices zu sichern. Hierfür ist Crowdtesting ein erprobter Ansatz mit viel Potenzial für all diejenigen, die sich mit Softwaretests auseinandersetzen.

Crowdtesting bezeichnet das in der Regel kostenpflichtige Testen von Software durch eine breite Masse von freien unabhängigen Testern über das Internet. Crowdtesting ist so etwas wie eine ausgelagerte Maßnahme zur Qualitätssicherung. Sie lässt sich flexibel ab dem ersten Klickdummy im Softwareentstehungsprozess einsetzen. Ziel ist es, vornehmlich Anwendungssoftware auf allen relevanten Endgeräten und Betriebssystemausprägungen zu testen.

Beim Crowdtesting handelt es sich um eine Anlehnung an den Begriff Crowdsourcing (Crowd und Outsourcing), den Jeff Howe erstmals 2006 in seinem Artikel „The Rise of Crowdsourcing“ vorstellte [1]. Erste Versuche einer Begriffsbestimmung der Testmethode sowie eine Häufung von Beiträgen zu diesem Thema gab es zwischen 2009 und 2010.

Der professionelle Einsatz dieser Testmethode als Dienstleistung entstand Ende 2010 und fand zu Beginn in der Gründerszene Anklang. Durch die wachsende Anzahl von Devices auf dem Markt gewinnt Crowdtesting für Unternehmen, die Anwendungssoftware entwickeln, immer mehr an Bedeutung, und das insbesondere in der Mobile-Entwicklung. Abbildung 1 zeigt die drei wichtigsten Teilnehmer des Crowdtestings.

kohler_crowdtesting_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Teilnehmer am Crowdtesting (Quelle: adesso AG)

Der Anbieter und seine Plattform

Für die Durchführung von Crowdtests stehen zahlreiche Anbieter zur Verfügung. Sie widmen sich entweder ausschließlich dieser Dienstleistung oder bieten sie als Zusatzleistung an. Populäre Vertreter sind unter anderem [2]:

  • RapidUsertests (Berlin, Deutschland)

  • Applause (Framingham, USA)

  • passbrains (Zürich, Schweiz)

  • BugFinders (Cheltenham, Großbritannien)

  • 99tests (Bangalore, Indien)

  • Testbirds (München, Deutschland)

Testbirds ist mit 150 000 registrierten Testern und 380 000 Geräten in allen Teilen der Welt eine der größten Crowdtesting-Plattformen. Die weltweit verstreuten Tester können somit die Anwendungssoftware in unterschiedlichen Sprachen und auf mannigfaltigen Devices prüfen.

Der Anbieter und seine Plattform fungieren hierbei als zentrale Kommunikationsstelle zwischen den Testern und dem Auftraggeber:

  • Anbieter und Tester kommunizieren über eine webbasierte Plattform, die alle notwendigen Funktionalitäten bereitstellt. Je nach Bedarf unterstützt ein Projektmanager auf Anbieterseite, z. B. in der Qualitätssicherung, die von den Testern erbrachten Ergebnisse und dient als Anlaufstelle für offene Punkte.

  • Anbieter und Auftraggeber benutzen ebenfalls die Webplattform für die Kommunikation sowie die Möglichkeit, direkte Absprachen zu treffen. Diese Funktion übernimmt in der Regel der Testmanager des Auftraggebers. Absprachen und Festlegungen beinhalten unter anderem Rahmenbedingungen wie Einschränkungen, Devices oder Betriebssysteme, unter denen die Tests durchgeführt werden. Der Testmanager begleitet somit den Crowdtesting-Prozess vom Anfang bis zum Schluss.

  • Tester und Auftraggeber, in diesem Fall die Entwickler des Auftraggebers, treten nur selten – und wenn, dann indirekt – über Beiträge auf den Plattformen zu den gefundenen Defects (Fehlern) in Kontakt.

Der Tester und seine Heterogenität

Tester repräsentieren alle Bevölkerungsschichten, Interessengruppen, Kultur- und Religionszugehörigkeiten, Altersklassifikationen, Menschen mit unterschiedlichen technischen Affinitäten, egal, ob professionell oder aus Spaß an der Thematik. Daher gibt es theoretisch keine Einschränkungen, wer sich als Tester qualifizieren kann. In der Praxis gibt es natürlich Rahmenbedingungen, die erfüllt sein müssen, wie z. B. die Geschäftsfähigkeit einer Person.

Diese Personen haben die Möglichkeit, sich auf einer Crowdtesting-Plattform zu registrieren, bis ein Testobjekt in Auftrag gegeben wird. Erfüllen die Tester die Kriterien und bringen die passende Testumgebung (Device) mit, können Interessenten sie für einen Testlauf anfragen. In der Praxis werden Tester z. B. nach Erfahrung oder häufiger Teilnahme klassifiziert und in Folge dessen auch ausgewählt. Fehler, die sie bei einer Beauftragung finden, müssen sie entsprechend dokumentieren und aufzeichnen.

Die Tester bekommen eine Vergütung für die Leistung, die sie erbringen. Dabei variiert der Verdienst von Anbieter zu Anbieter und orientiert sich in der Regel an der Anzahl der gefundenen Defects, gestaffelt nach Risikoklassen. Weitere Faktoren, die sich auf die Bezahlung auswirken können, sind die Erfahrung der Tester sowie die Dauer ihrer Plattformzugehörigkeit.

Der Auftraggeber und sein Softwareprodukt

Als Auftraggeber kommen alle Personen und Unternehmen in Frage, die Anwendungssoftware entwickeln oder entwickeln lassen. Dabei liegt der Hauptfokus entweder beim Auffinden von Fehlern oder in der Anwender- und Marktanalyse durch die Rückmeldung von Usabilityvorschlägen. Weiterhin erhofft sich der Auftraggeber eine Vielzahl von Vorteilen, die im Folgenden gesondert betrachtet werd...

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