© debbie levitt
Frauen in der Tech-Branche

Im Porträt: Debbie Levitt


Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß. So auch Debbie Levitt. Schon im Grundschulalter lernte sie die Arbeit am Computer lieben und stieg, von ihren beiden Großmüttern inspiriert, die Karriereleiter empor. In dem folgenden Gespräch kamen Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen und Förderungsmöglichkeiten zur Sprache. Frauen in der Tech-Branche ermutigt sie: „Eure Stärke liegt in euch selbst! Eignet euch die Macht an, ,Nein‘ zu sagen!“

PHP Magazin: Wie hast du das Interesse an Technik gewonnen?

Debbie Levitt: Das hat bereits in meiner Kindheit begonnen. Ich habe früh Interesse an Mathematik und Naturwissenschaft gezeigt und hatte das Glück, in einer Großfamilie aufzuwachsen, die meine Interessen unterstützt hat. Meine Mutter war Mathematiklehrerin, mein Vater Anwalt, und der Rest der Familie bestand größtenteils aus Anwälten, die schlussfolgernde Begründungen und gute Argumente belohnten.

In früher Jugend hatte ich ein Chemieset und einen Elektrobaukasten, mit dem man Schaltkreise zusammensetzen konnte. Ich habe zwar keine Toaster auseinandergenommen und auch nicht meine eigenen Computer gebaut, aber ich war ein Mathe- und Wissenschaftskind.

Die Dinge haben sich 1979 in eine neue Richtung entwickelt, als ich in der zweiten Klasse war (also mit sieben Jahren). Ein lokales College, SUNY Farmingdale (New York, USA), hat einen Kurs für Zweitklässler angeboten, um etwas BASIC-Programmierung zu erlernen. Wir denken heute, dass wir etwas Bahnbrechendes tun, wenn wir Kinder dazu animieren, programmieren zu lernen, aber das war 1979! Sie haben uns vor Commodore-PET-Computer gesetzt, die keine Festplatte hatten, sondern Kassettenrekorder. Ich hatte viele Kassetten mit kreischenden, faxartigen Geräuschen von Spielen, die wir gespielt haben, und Programmen, die wir zu bauen versucht haben.

Und das war’s, ich hatte mich in Computer verliebt. Meine Familie hat 1985 den ersten Computer, einen Apple IIc, angeschafft. Über viele Jahre hatte ich Macs, bin dann aber gegen 1996 zu Windows gewechselt – ohne es jemals bereut zu haben. Ich gehöre zu den wenigen Personen, die Windows und Android lieben!

Zuerst sollte ich erwähnen, dass mich Hürden eigentlich nie gehemmt haben. Ich bin eine Problemlöserin und sehe nie sehr lange Hindernisse. Ich lasse mich auch nicht zu lange unterkriegen. Mein Vater erzählt immer die Geschichte, mich mit zwölf Jahren zu einem Baseballwettbewerb mitgenommen zu haben, bei dem es darum ging, zu sehen, wie schnell man rennen, pitchen, oder wie fest man den Ball schlagen konnte. Er war schockiert darüber, als er sah, dass die Kinder nur nach ihrem Alter eingruppiert waren: alle 12- bis 14-jährigen Jungen und Mädchen traten gegeneinander an. Die Jungen sahen riesig aus und ich war klein und zierlich. Er war sich sicher, dass das unfair war und sagte, er würde sich bei den Ausrichtern des Events beschweren. Doch ich sagte ihm, er solle sich keine Sorgen machen, ich würde es so gut machen wie ich könne und mich nicht darum kümmern, was die anderen täten. Von Natur aus bin ich nicht sehr konkurrenzorientiert, finde Wege um Hindernisse herum oder betrachte Dinge zumindest unter einem anderen Blickwinkel.

Im Jahr 1995 habe ich die Universität mit einem Bachelor in Musik verlassen und angefangen, in New York im Musikbusiness zu arbeiten. Eine Collegefreundin hat mich angerufen und gesagt, ich solle mir dieses neue Ding anschauen, „das Web“, und hier sei ein Programm, das ich schreiben könne, „Webseiten“. Ich bin eine Woche lang bis spät in die Nacht aufgeblieben und habe mir HTML beigebracht. Schließlich habe ich das Musikbusiness verlassen und eine Webdesignfirma gegründet. Ich war die Konzeptions- und Consultingperson in meiner eigenen Webdesignfirma. Da ich als Designerin selbst wenig begabt bin, stellte ich jemanden für die Gestaltung und die Programmierung ein.

2008 habe ich mich dann etwas formaler mit UX beschäftigt. Vorher hatte ich UX-Design quasi aus dem Bauch heraus gemacht, ohne über die Theorie und formalen Aspekte wirklich Bescheid zu wissen. Es war verrückt, im Nachhinein zu lernen, dass hinter all diesen Dingen, die ich getan hatte, Namen, Theorien und Prozesse steckten!

PM: Welche Vorbilder hast du?

Levitt: Mein positiver Einfluss war an erster Stelle meine Großmutter Lee. Sie war einfach alles für mich. Immer unterstützend, immer lustig, eine wahre Mutterfigur. Als ich das Musikbusiness verließ, bin ich bei ihr eingezogen, was für uns beide gut funktionierte, da mein Großvater gerade gestorben und sie allein war (aber nicht für lange). Irgendwo habe ich ein Bild von ihr mit einem Hut, den ich ihr in den 1990ern besticken ließ: vorne das Firmenlogo und auf der Rückseite „grandma/investor“. Meine Großmutter war so ziemlich ihr ganzes Leben lang eine Rechtsanwaltsgehilfin. Sie hat hart gearbeitet, schnell getippt, war großartig am Telefon und blieb hart, wenn es sein musste. Aber immer diplomatis...

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