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Jede Menge neue zukunftsorientierte Optionen

Joomla 4.0 setzt zum Endspurt an


Joomla! [1] ist der drittgrößte Player [2] auf dem CMS-Markt. Der Startschuss für das kurz vor der Veröffentlichung stehende Major-Release 4.0 fiel bereits 2016 und so ist die neue Version der Open-Source-Software vollgepackt mit frischen Features. Höchste Zeit, die überarbeitete Ausführung des preisgekrönten CMS genauer unter die Lupe zu nehmen.

Joomla 4 ist auf der Zielgeraden und bringt einige neue Features für Entwickler mit. Damit Platz für Neues geschaffen werden konnte, wurden einige alte Funktionen und Unterstützungen entfernt. Die neue Major-Version ist im Februar 2021 am Ende der Betaphase angelangt. Im Fokus der Neuerungen stehen neben der Systemperformance auch die Verbesserung von Benutzerfreundlichkeit sowie Zugänglichkeit, um Joomla! zukunftssicher zu positionieren. In diesem Artikel werden die neuen Funktionen und die wichtigsten Änderungen genauer unter die Lupe genommen und Tipps für eine reibungslose Migration zusammengestellt.

Ein Vorteil von Joomla! ist die Bereitstellung umfangreicher Funktionalitäten out of the box, wie beispielsweise die Mehrsprachigkeit [3] und die benutzerdefinierten Felder [4]. Externe Erweiterungen sind kaum mehr erforderlich – dieser positive Aspekt wurde mit der neuen Hauptversion weiter ausgebaut. Ein zusätzlicher Pluspunkt des CMS ist das communitygestützte Wiki [5] sowie das aktive Nutzerforum [6], die bei der Einarbeitung in die neuen Features extrem hilfreich sind. In der aktuellen Entwicklerversion läuft Joomla 4 zwar auf Englisch, für die hier zugrunde liegende Testumgebung wurde die deutsche Sprache manuell nachinstalliert [7].

Joomla 4 im Handumdrehen benutzerfreundlich installieren

Dem Anwender springt der verbesserte und unkomplizierte Installationsprozess als Erstes ins Auge, der in ähnlicher Weise bereits aus Joomla 3 bekannt ist (Abb. 1). Problematisch war in der Vorgängerversion jedoch, dass Informationen nicht zwischengespeichert werden: Vertippte der Nutzer sich bei den Angaben zur Datenbank, war es erforderlich, den gesamten Installationsvorgang neu aufzurufen und unter Umständen Daten wiederholt einzugeben. Das ist ärgerlich und nicht benutzerfreundlich. In Joomla 4 wurde dieser Prozess nun optimiert. Obwohl der Vorgang zur besseren Übersicht weiterhin in drei Schritte aufgeteilt ist, handelt es sich technisch um einen einzigen, in dem korrekte Eingaben zwischengespeichert werden.

guenther_joomla_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Start der Joomla-4-Installation

Während der Installation ist es in Joomla 4 weiterhin möglich, andere Sprachen neben der Standardsprache Englisch zu ergänzen. Das Hinzufügen von Beispieldaten wurde hingegen in ein Modul entkoppelt, das erst nach der Installation zur Verfügung steht (Abb. 2).

guenther_joomla_2.tif_fmt1.jpgAbb. 2: Joomla-4-Beispieldateien installieren

Im Gegensatz zum benutzerfreundlicheren Installationsprozess wurde die Einrichtung der Umgebung für Entwickler professionalisiert. In Joomla 3 reichte es aus, den aktuellen Branch von GitHub [8] zu klonen, Version 4 hebt das Development hingegen auf ein neues Level. Ein Entwickler benötigt jetzt zwei weitere Werkzeuge [9]:

  • Composer, um die PHP-Abhängigkeiten zu verwalten

  • Node.js, um JavaScript- und SASS-Dateien zu kompilieren

Dieser Schritt war in der Community umstritten. Kritiker sahen neben den Vorteilen für die Entwickler, die mit Composer und Node.js vertraut sind, die Gefahr, dass unbedarfte Joomler an dieser Stelle außen vorgelassen werden und die Community aktive Mitglieder verliert.

Verbessertes Override-Management

Joomla! setzt seit eh und je auf die Trennung von Modell, Präsentation und Steuerung. Deshalb ist es unkompliziert, die Ausgabe im Browser mit Hilfe von Template-Overrides flexibel zu gestalten. Das Design einer Joomla-Website wird anhand von Standard-Views namens default.php in den verschiedenen Erweiterungen definiert und vom individuellen Template in letzter Instanz kontrolliert. Ist beispielsweise die Ausgabe des Moduls mod_article_latest nicht so, wie man sich das für seine Website vorstellt, reicht es aus, ein Override unter Meintemplate/html/mod_article_latest/default.php zu erstellen, wie in der Dokumentation [10] beschrieben und in Abbildung 3 gezeigt.

guenther_joomla_3.tif_fmt1.jpgAbb. 3: Die Verwaltung von Overrides

Frischgebacken ist die Differenzanzeige, die Änderungen im überschriebenen Code hervorhebt (Abb. 4). Zusätzlich wird bei einer Joomla-4-Aktualisierung darauf hingewiesen, wenn sich im Core etwas ändert, was überschrieben ist. Letzteres ist äußerst sinnvoll, wenn der Hauptanteil der Joomla-Standard-View im eigenen Override übernommen und mit der Aktualisierung ein Sicherheitsproblem in genau dieser View behoben wurde. Nicht nur wird auf diese Weise mit einem Blick deutlich, dass der überschriebene Code ebenfalls anzupassen ist, nebenbei macht die Differenzanzeige das Anlegen eines Override zum Kinderspiel. Abbildung 5 zeigt im Vergleich zu Abbildung 6 die Änderungen der Timeline gegenüber der Standardausgabe des Moduls.

guenther_joomla_4.tif_fmt1.jpgAbb. 4: Die Differenzanzeige der verbesserten Override-Verwaltung
guenther_joomla_5.tif_fmt1.jpgAbb. 5: Ein Override von mod_article_latest als Timeline
guenther_joomla_6.tif_fmt1.jpgAbb. 6: Zum Vergleich die Standardausgabe des Moduls von mod_article_latest

Das Beispiel wurde in angepasster Form von J! OVER [11] übernommen.

Frontend und Backend barrierefrei mit Bootstrap 5

Intuitiv und logisch, leicht verständlich und benutzerfreundlich – mit diesem Anspruch integriert die neueste Joomla-Version Bootstrap 5 in ihren Kern. Dabei sind die Templates zugänglich und entsprechen der Stufe AA der WCAG 2.1. Die WCAG 2.1 ergänzt die WCAG 2.0 [12] und ist der Webstandard für digitale Barrierefreiheit, der in der Europäischen Union für öffentliche Stellen verbindlich ist.

Das Frontend-Template Cassiopeia (Abb. 7 und Abb. 8) integriert Bootstrap 5, die neueste Version des populären Frameworks zur Erstellung von responsiven Websites. Cassiopeias Ordnerstruktur ist klar und macht es Anwendern leicht, die Vorlage individuell anzupassen. Anders als sein Vorgänger kommt Joomla 4 mit nur einem Defaulttemplate daher, auf das der Fokus gelegt wird. Die Fehler- und Offlineseiten wurden neu geschrieben, damit sie die Funktionen im Bereich Farbschema und Schriftarteneinstellungen verwenden. Verbesserungen für die Barrierefreiheit wurden, insbesondere im Suchindexmodul und auf der Suchergebnisseite, vorgenommen:

  • Das Farbkontrastverhältnis beträgt templateweit AA. Schriftgröße und Zeilenhöhe sind benutzerfreundlich.

  • Symbole und Bilder verwenden ARIA-Attribute und alternative Texte.

  • Alle Elemente sind in Regionen unterteilt. Mit diesen sogenannten Landmark Roles ist eine Webseite in Hilfsmitteln wie Screenreadern einfacher ansteuerbar.

  • Elemente und Navigation sind für Tastaturbenutzer zugänglich. Die Vanilla-JS-Variante von metismenu [13] wurde für das Drop-down-Menü gewählt, da diese Bibliothek im Backend-Template integriert ist und so wiederverwendet wird.

  • Für die Frontend-Bearbeitung wurden Schriftgröße und -Familie verbessert eingestellt.

In Joomla 4 gibt es kein Inline CSS mehr, sodass die Webschriftarten nicht ohne Weiteres über eine Variable deaktivierbar sind, was wiederum nicht DSGVO-konform ist. Aus Datenschutzgründen ist es wünschenswert, zuvor heruntergeladene Webschriftarten aus einem lokalen Ordner zu verwenden. Letzteres ist in der neuesten Überarbeitung von Cassiopeia per Parameter möglich.

Ein Farbschema wurde implementiert – das ist nichts anderes als eine (S)CSS-Datei, die CSS-Variablen für das Template festlegt. Cassiopeia enthält zwei Farbschemen:

  • Standard: ein Schema, für das die Farben optimiert wurden, damit alles barrierefrei ist

  • Alternative: ein Beispiel für eine benutzerdefinierte Implementierung

Die Blogbeispieldaten wurden durch neue Bilder und ein Drop-down-Menü aktualisiert und um Beispiele für Tags, benutzerdefinierte Felder und verschiedene Listen- sowie Blogansichten erweitert. Außerdem wurde eine Typografieseite hinzugefügt. Nebenbei gibt es viele kleine Verbesserungen, wie den Back-to-Top-Link, der über Optionen aktivierbar ist.

Seit Anfang 2021 wird die Frage diskutiert, ob Version 5 von Bootstrap die richtige Wahl ist. Joomla 4 setzt nicht allein auf das beliebte Framework, sondern nutzt darüber hinaus metismenu und CSS Grid. Bootstrap passt zu Joomla!, da beide einen objektorientierten Ansatz verfolgen. Die Corporate Identity einer Website lässt sich mit diesen Methoden beschreiben, was den Vorteil hat, dass einem hier Arbeit abgenommen wird. Auf der anderen Seite definiert Bootstrap das Look and Feel einer Website. Alles ist individualisierbar, aber sogar diese Anpassungen beziehen sich in Bootstrap auf alle Elemente. Für ein CMS, dessen Aufgabe es ist, Inhalte effizient und standardisiert zu verwalten, ist das auf den ersten Blick logisch, birgt bei genauerem Hinsehen allerdings Risiken. Das Optimum liegt, wie so oft, in der Mitte: eine Verknüpfung der Idee einer Standardisierung, die im Einzelfall individuell anpassbar ...

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