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Neue technische Ansätze und ein unübersichtlicher CMS-Markt

Ein Markt im Umbruch


Viele Jahre gab es im Markt der Contentmanagementsysteme (CMS) keine große Bewegung. Doch das hat sich in jüngster Vergangenheit geändert: Zahlreiche Newcomer fordern die etablierten Systeme heraus und in vielen IT-Abteilungen werden zudem neue technische Ansätze diskutiert. Eine intensive Beschäftigung mit dem vielfältigen Markt und seinen Trends wird bei der Auswahl des richtigen CMS daher immer wichtiger.

In den letzten Jahren haben vor allem die neuen Headless CMS die Debatte um Contentmanagementsysteme dominiert. Doch die erste große Überraschung des Jahres 2020 kam aus einer ganz anderen Richtung: Der SPIEGEL hat mit seinem NextGen-Projekt einen großen Relaunch gewagt und dabei auf das weitgehend unbekannte CMS Statamic gesetzt [1].

Um die Tragweite dieser Entscheidung zu verstehen, muss man zurück in das Jahr 2012 gehen und nach Clifton Park reisen, einem kleinen Provinznest im hohen Norden von New York State. Dort hat der Designer und Entwickler Jack McDade das CMS Statamic als Nebenprojekt aus der Taufe gehoben. Durch den gemeinsamen ExpressionEngine-Hintergrund besteht eine gewisse Verwandtschaft zu dem etwas bekannteren CMS Craft. Statamic ist im Kern jedoch ein sogenanntes Flat File CMS und dadurch mit kleinen Systemen wie Kirby oder Grav verwandt. Ausgesprochen „flat“ ist bis heute auch die Personaldecke geblieben: Das Entwicklerteam hinter Statamic besteht aus drei Personen. Drei Personen, die das CMS hinter einer der reichweitenstärksten Webseiten in Deutschland entwickeln. Das klingt nicht unbedingt nach Enterprise. Doch genau hier trifft sich die Realität mit den Aussagen einiger Marktbeobachter, die eine Tendenz weg von komplexer Technologie und hin zu mehr Einfachheit erkennen.

Das Trendthema Headless CMS

Aspekte wie Vereinfachung, Reduktion und vor allem die Separation of Concerns gehören auch zu den Leitbildern der neuen Headless-Architektur. Und so wundert es nicht, dass auch der SPIEGEL diese Architektur bei seinem Relaunch aufgegriffen hat. Laut André Basse, dem Managing Director vom SPIEGEL Tech Lab, werden in einem selbst entwickelten Content-Store in der Cloud sämtliche Inhalte zentral im JSON-Format verwaltet und über einen Elastic-Index per REST API unter anderem an das CMS Statamic ausgeliefert. Das Beispiel zeigt, wie groß die Spielarten bei der Realisierung einer Headless-Architektur sind.

Wer die Mühen einer eigenen Headless-Architektur scheut, der kann auf ein breites Angebot an SaaS-Diensten zurückgreifen. Zu den Marktführern gehört das Berliner Start-up Contentful, das für seinen SaaS-Service gerne den Begriff „Content-Infrastructure“ nutzt. Wer dagegen die Hoheit über seine Contentinfrastruktur behalten möchte, der findet mit Directus (PHP), Strapi (Node) oder auch Gentics Mesh (Java) einige ausgereifte On-Premise-Lösungen auf dem Markt.

Die Idee der Headless CMS ist nicht neu. Mit ihr wird lediglich der Gedanke der Microservices auf den Contentbereich übertragen. Dazu bieten die Headless-Systeme eine Oberfläche für die Erstellung und Verwaltung von Inhalten und liefern diese Inhalte neutral über ein REST oder GraphQL API aus. Der Verzicht auf die Darstellung von Inhalten verringert nicht nur die Komplexität des Systems, sondern befreit die Frontend-Entwickler auch von lästigen Vorgaben. Mit einem Content-API sind Entwickler unabhängig von der serverseitigen Sprache des CMS, sie können beliebige Frontend Frameworks wie React, Vue, Angular und Svelte nutzen, oder sie können einen Static-Site-Generator als Ersatz für die fehlende Template-Engine anbinden und damit statische Webauftritte generieren. Kurz gesagt, Headless CMS sind im Backend der passende Gegenpart zum JAMstack-Trend (JavaScript, APIs, Markup) im Frontend.

Headless und der JAMstack

Der JAMstack und vor allem die Static-Site-Generatoren sind seit Jahren in der Entwicklerszene verbreitet und haben dort das klassische CMS mehr oder weniger abgelöst. Dass dieser Trend nun langsam auch im Mainstre...

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