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Essenzielle ökonomische Werkzeuge für agiles Produktmanagement

Die Product Owner Toolbox


Das erste der zwölf Prinzipien hinter dem agilen Manifest lautet: „Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Auslieferung wertvoller Software zufriedenzustellen“ [1]. Während viele Teams Best Practices durch die frühe und kontinuierliche Auslieferung kennen und auch anwenden, ist die Bestimmung, was wertvolle Software ist, oft nicht so trivial.

Gerade der Product Owner muss aber wissen, ob die Software der Vorstellung seines Kunden von „wertvoll“ entspricht. Dazu gibt es etliche Methoden, die allerdings bisher keinen Eingang in das übliche Curriculum der Product-Owner-Zertifizierung gefunden haben.

Software zu entwickeln ist für Unternehmen kein Selbstzweck. Die Entwicklung von Software wird als teuer empfunden, auch wenn Tom DeMarco diese Gefühle seit vielen Jahren kritisch hinterfragt [2]. Also muss die zu entwickelnde Software einen möglichst großen Nutzen haben. In der Regel wird dieser Nutzen vor der Entwicklung durch einen Business Case beschrieben, in dem Kosten und Nutzen für das Unternehmen betrachtet und auf dessen Grundlage entschieden werden kann, ob das Projekt durchgeführt wird oder nicht.

Leider kommt es viel zu häufig vor, dass der Business Case die einzige ökonomische Bewertung eines solchen Projekts bleibt. Projekthäuser verfolgen zwar in der Regel den Earned Value bei Festpreisprojekten, aber dieser steht mit dem Wert der Software in keinem Zusammenhang. Vor allem agiles Projektmanagement erlaubt es, die ökonomische Betrachtung des Business Case auf einzelne Aspekte eines Projekts herunterzubrechen und immer wieder neu zu bewerten. Backlog Grooming muss sich nicht nur auf die fachlichen Aspekte von User Stories beschränken, sondern kann auch mit betriebswirtschaftlicher Brille erfolgen.

In seinem Video „Agile Product Ownership in a Nut­shell“ [3] hat Henrik Kniberg schön illustriert, wie eine Wertschöpfungskurve in einem agilen Projekt aussehen kann (Abb. 1). Zunächst liegt der Schwerpunkt auf dem Wissenszuwachs im Team. Der Zeitraum sollte möglichst kurz sein, um schnell maximalen Kundennutzen zu generieren.

Beine_toolbox_1.ai_fmt1.jpgAbb. 1: Wertschöpfungskurve in einem agilen Projekt; für kurze Zeit liegt der Schwerpunkt auf dem Wissensgewinn für das Team, danach auf der Schaffung von Wert für den Kunden; Quelle: Henrik Kniberg: „Agile Product Ownership in a Nutshell“ [3]

Aber wie muss das Backlog priorisiert werden, damit eine solche Kurve erreicht werden kann? Die Basis dafür lässt sich in einer trivialen Formel ausdrücken (Abb. 2). Die Bewertung der einzelnen Backlog Items kann dabei mit verschiedenen Modellen geschehen.

Beine_toolbox_2.tif_fmt1.jpgAbb. 2: Formel für eine Wertschöpfungskurve in einem agilen Projekt

Junior Product Owner: Return on Investment

Return on Investment, oder auch kurz RoI, ist mit Sicherheit die bekannteste betriebswirtschaftliche Kennzahl. Was allerdings weniger bekannt ist: Vom RoI gibt es zwei Varianten: Bei der ursprünglichen Variante des RoI handelt es sich um eine Kennzahl, die an der Spitze der DuPont-Kennzahlenpyramide steht und die Rendite einer unternehmerischen Tätigkeit betrachtet. Dabei fließen alle betriebswirtschaftlichen Daten aus dem Unternehmen ein – Fremdkapital, Umsatzrendite, liquide Mittel, Zinsen und jede Quittung. Dieser RoI kann nur a posteriori ermittelt werden und ist für die Bewertung eines Investments in ein Unternehmen sinnvoll. Für die Tätigkeit eines Product Owners taugt er wenig. Die Variante, die die meisten Menschen meinen, wenn sie von RoI sprechen, ist die zur Beurteilung von Einzelentsche...

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