© saicle/Shutterstock.com
Ist Agile tot?

The Walking Dead


Zombie, Fehlschlag, Krebs und toter Hamster: Mit zum Teil polemischen Bemerkungen artikulieren immer mehr Kritiker, unter ihnen zwei Autoren des agilen Manifests, ihre Hoffnung, dass Agile seinen Zenit überschritten habe und bald das Zeitliche segnen sollte. Was ist dran an dieser Kritik?

„Programming, Motherfucker!“ – das ist es, was Entwickler tun wollen, glaubt man einer kleinen Gruppe Programmierer rund um Zed A. Shaw, die diesen Spruch sogar auf T-Shirts drucken lässt [1]. Ihr Wunsch, so sagen sie, ist mit Agile einfach nicht vereinbar. Sie beschweren sich zwar nicht ausschließlich über diesen Ansatz, auch Wasserfallmethoden kommen nicht besser weg; Agile, dem großen Trend unter den Entwicklungsmethoden wird aber besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die Grundwerte des agilen Manifests [2] lesen sich beispielsweise gänzlich anders, wenn sie von Shaw erklärt werden. Betrachten wir also einmal die dunklen Seiten agiler Entwicklungsmethoden. Ist Agile wirklich tot [3]?

Weg mit Agile?

Und auch sonst lässt man hier kein gutes Haar an der agilen Methodenwelt: Erzwungenes Pair Programming? Manager, die die Arbeitsweise überwachen, aber nicht programmieren können? Weg damit! Das alles ist für Shaw und seine Anhänger nämlich weit entfernt davon, einfach nur guten Code zu produzieren. Geht es nach Shaw, sollte Agile also dringend wieder verschwinden. Wenn die Methoden so umgesetzt werden, wie Shaw es beschreibt, ist dieser Wunsch wohl auch durchaus verständlich (Tabelle 1).

They claim to value

They really value

Individuals and interactions

Tons of billable hours

Working software

Tons of pointless tests

Customer collaboration

Bleeding Clients dry

Responding to change

Instability and plausible deniability

Tabelle 1: Die agilen Grundpfeiler laut Zed A. Shaw [1]

Erik Meijer vertritt eine ähnliche Meinung. Auf dem Reaktor Dev Day 2014 befasste er sich mit der Frage nach Alternativen zu Agile. Standup-Meetings sind für ihn nämlich nur eine unerwünschte Unterbrechung des Arbeitstags und egal, wie viele Tests durchgeführt werden: Die real auftretenden Fehler lassen sich eh nicht vorhersehen. Darum kommt er zu dem Schluss, dass Agile der Krebs der Softwareindustrie [4] sei und ausgemerzt werden müsse. Auch er findet also, dass die Zukunft der Softwareentwicklung nicht in agilen Methoden liegt.

Neue Manifeste: Agile soll sterben!

Damit sind die Kritikpunkte aber noch lange nicht abschließend aufgezählt. Absichtlich polarisierende Diskussionsbeiträge wie das Anti-Agile Manifest (leider nur noch archiviert abrufbar [5]) und das Manifesto for Half-Arsed Agile Software Development [6] stehen der agilen Realität – die Titel lassen es erahnen – ebenfalls sehr kritisch gegenüber. Eines haben diese und viele weitere Themenbeiträge im Netz gemeinsam: Sie alle stammen von Entwicklern, die furchtbar genervt von agiler Arbeitsweise und ihren gegenwärtigen Ausprägungen sind. Die Entwicklercommunity scheint also gespalten, wenn es um das gelobte Land der Softwareentwicklung geht.

Das Anti-Agile Manifest macht es sich zur Aufgabe, agile Begrifflichkeiten zu entmystifizieren [7]. Was sind „Epics“ denn bitte anderes, als ganz profane Projekte? Und wo um alles in der Welt liegt der Unterschied zwischen einem „Backlog“ und einer langweiligen To-do-Liste? In letzterem Fall kann ja nicht einmal der Anglizismus den Fancy Name vor der Kritik retten: Eigentlich ist das doch alles das gleiche, oder? Das findet zumindest das Anti-Agile Manifest.

Missverständnisse im gelobten Land

Mit diesem Manifest gibt es aber ein Problem: Es versteht Agile nicht. Wer sich näher mit der Methode befasst, kann natürlich zwischen einem Backlog und einer To-do-Liste unterscheiden. Missverständnisse wie...

Neugierig geworden?

Angebote für Teams

Für Firmen haben wir individuelle Teamlizenzen. Wir erstellen Ihnen gerne ein passendes Angebot.

Das Library-Modell:
IP-Zugang

Das Company-Modell:
Domain-Zugang