© blocberry/Shutterstock.com
Teil 3: Agile Organisationsformen, Veränderungen in Unternehmen

Denken hilft zwar, aber es nützt nichts


Systemisches Denken hilft dabei, über den Tellerrand hinauszusehen. Über den Tellerrand des eigenen Teams, der eigenen Abteilung, der eigenen Organisation. Gemeinsam mit anderen Disziplinen ermöglicht es Organisationen, Verhaltensmuster schneller zu erkennen und sich weiterzuentwickeln.

„Organisationales Lernen“ und „moderne Organisationsformen“ kommen in Wellen immer wieder in Mode. In unseren Breiten hat besonders das Buch von Nonaka und Takeuchi [1] Verbreitung gefunden, in dem der „SEKI-Modell“-Wissenskreislauf von implizitem und explizitem Unternehmenswissen vorgestellt wurde. Nicht ganz so bekannt ist bei uns Peter Senges Buch „The Fifth Discipline“ [2], das vor allem den Aspekt des systemischen Denkens in die Organisationsentwicklung eingebracht hat.

In den letzten Jahren gab es zahlreiche Veröffentlichungen zu und viele Versuche von agilen Organisationsformen. Da sie im Vergleich zu den hierarchischen Führungsstilen der meisten Unternehmen noch utopisch anmuten, stellt sich die Frage, wie organisationales Lernen trotz Kostendruck, Kundendruck, steigender Geschwindigkeit und mehr Mitbewerbern möglich wird.

Der erste Schritt zur Veränderung ist die ehrliche Bestandsaufnahme. Dabei helfen die aus Senges Buch stammenden „Systemarchetypen“ des zweiten Teils dieser Artikelserie [3]. Neben dem systemischen Denken gibt es aber noch die vier restlichen Disziplinen, die lernende Organisationen meistern.

Die fünf Disziplinen im Kurzüberblick

Die fünf im letzten Teil kurz angesprochenen Disziplinen sind persönliche Weiterentwicklung, Erkennen und Anpassen von mentalen Landkarten, Lernen im Team, gemeinsame Visionsfindung und als Klammer darüber das Systemische Denken. Jede dieser Disziplinen wird im Folgenden einer genaueren Betrachtung unterzogen.

Persönliche Weiterentwicklung und persönliche Meisterschaft

Die persönliche Weiterentwicklung der Mitarbeiter ist die notwendige Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Veränderung in Richtung einer lernenden und agilen Organisation. Das World Economic Forum (WEF) hat im Jahr 2016 in der Studie „The Future Of Jobs“ [4] erhoben, was aufgrund der schnellen, teilweise exponentiellen Veränderung der Arbeitswelt die größten Herausforderungen für die Unternehmen sein werden. Die Hauptherausforderung schlechthin sind die sich rasch ändernden Anforderungen an die Skills: Egal, wie viel Prozent welcher Jobfamilien durch die Digitalisierung verschwinden werden, eines ist klar: So gut wie jeder Job wird sich verändern. Das WEF nennt es „Skill Disruption“ und schätzt, dass ein Drittel der in zwei bis drei Jahren benötigten Skills jetzt noch nicht als so wichtig angesehen werden. Zu diesen Skills zählen z. B. kognitive Fähigkeiten (logisches Denken, Problemorientierung, kognitive Flexibilität, Kreativität), komplexes Problemlösen, systemische Fähigkeiten (Urteilsvermögen, systemisches Denken), soziale Kompetenz, Ressourcenmanagement (Zeit, Geld, Aufgaben). Kunden erwarten diese Fähigkeiten von ihren Ansprechpartnern. Selbst wenn es z. B. „nur“ um eine Entwicklertätigkeit geht: Kunden haben nicht mehr die Zeit, ausführliche Pflichtenhefte zu schreiben, die außerdem in wenigen Monaten wieder überholt wären. Es wird erwartet, dass sich Entwickler schnell in die Prozesse der Kunden hineindenken, auf Augenhöhe mit Kunden sprechen und mit ihnen gegebenenfalls auch diskutieren können. Dass Entwickler und Softwarearchitekten ihr Handwerk und ihre Werkzeuge beherrschen, ist Voraussetzung.

Warum wird in Unternehmen aber noch relativ wenig für diese Fertigkeiten und Fähigkeiten der Mitarbeiter getan? Wenn man genau hinsieht, bemerkt man, dass Unternehmen zwar in die Weiterbildung der Mitarbeiter investieren, es sich dabei aber um sehr klassische Schulungsmaßnahmen handelt: den nächsten Scrum-Kurs oder das x-te Kommunikationsseminar oder eine Vertriebsschulung und so weiter und so fort. Was aber fehlt, ist eine ausreichende Übung und Verinnerlichung in der Praxis. Warum kommt es kaum dazu? Alle Unternehmen, die nicht gerade in einer Start-up-Phase sind, kämpfen mit der operativen Hektik: Auch wenn sie noch so innovativ sein und ihre Mitarbeiter weiterbringen möchten, stecken sie in ihren Prozessen und „Value Networks“ fest: Kunden erwarten...

Neugierig geworden?

Angebote für Teams

Für Firmen haben wir individuelle Teamlizenzen. Wir erstellen Ihnen gerne ein passendes Angebot.

Das Library-Modell:
IP-Zugang

Das Company-Modell:
Domain-Zugang