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Olis bunte Welt der IT

Faulheit und andere Tugenden: Selbstverbesserung mit klarem Ziel


Manchmal musste ich mich in der Vergangenheit rechtfertigen, wenn ich einmal etwas Programmierzeit mit spielerischen Projekten verbracht habe. Das verwundert Chefs und Lebenspartner, sorgt höchstens bei Kindern für Begeisterung: „Wow, Zahlenraten!“ Letzteres ist erdacht – selbst sehr junge Leute sind heute mit den einfachsten Programmen kaum noch zu begeistern.

Das war mal anders. Als ich ein Teenager war, gab es Computerzeitschriften, etwa für Commodore-Computer, in denen BASIC-Listings abgedruckt waren. Diese konnte man einfach eintippen und ausprobieren, oder natürlich auch im Detail lesen und verstehen lernen. Ich fand das ganz spannend und verbrachte oft Zeit damit, den Fehlern, die diese Listings fast immer enthielten, nachzugehen, oder das ganze Beispielprogramm einfach zu verbessern.

Für Leute mit mehr Langeweile gab es in den Zeitschriften auch manchmal Programme, die man in Form von Kolonnen hexadezimaler Zahlen eintippen musste. Damit man sich dabei nicht scheußlich oft vertippte, hatte jede Zeile am Ende eine Prüfsumme, und ein spezielles Eintipphilfsprogramm prüfte jede Zeile sofort. Alternativ gab’s auch sehr clevere Systeme, bei denen man mit einem Handscanner eine dicht gedruckte Spalte mit Pixeldaten einlesen musste. Diese wurde dann ebenfalls von einem Hilfsprogramm in Programmcode übersetzt. Vorteile beider Ansätze: Es passt mehr Code auf die Seite, die Programme konnten komplexer sein, und der Leser konnte den Code nicht lesen – ich vermute, dass der Autor des Codes das gut fand. Großer Nachteil aus meiner Sicht: Ich konnte den Code nicht lesen! Gar so spannend war die reine Funktion der Programme für gewöhnlich nicht. Wenn nun der Mehrwert wegfiel, daraus etwas zu lernen, war das nicht mehr so interessant.

Nun gibt es ja Leute, die interessieren sich gar nicht besonders dafür, warum Dinge eigentlich so funktionieren, wie sie funktionieren. Oder auch, warum sie manchmal nicht (mehr?) so funktionieren. Genau genommen betrifft das uns alle, denn jeder hat gewisse praktische Grenzen für das Interesse an dem, was um uns herum geschieht. Wir fahren alle Auto, wissen aber größtenteils nicht im Detail, wie der Motor genau arbeitet oder was man tun muss, wenn er stehen bleibt. Wir sehen alle fern, aber spätestens seit dem Flachbildschirm gibt es nicht mehr viele Menschen, die ihren Fernseher von innen kennen.

Neugier ist wichtig

Erstaunlich finde ich allerdings, dass es auch viele Menschen gibt, die in ihrem eigenen Wahlumfeld – also Computer und Programmierung und dergleichen, soweit es diesen Artikel betrifft – wenig Neugier für die Grundlagen haben. Ein Freund, der anonym bleiben möchte, arbeitet seit vielen Jahren als Webentwickler, hat beruflich viel geschafft, verdient gutes Geld und ist als Fachmann in seiner Welt angesehen. Auf private Nachfrage hin gibt er allerdings zu, dass er nicht weiß, woher diese komischen Zahlen kommen, mit denen man in HTML und CSS Farben definiert. #ff0000 ist rot und #0000ff ist blau, er weiß das auswendig, hat aber keine Ahnung, warum. Seltsam, finde ich. Fragt man denn da nicht mal nach?

Gestatten, mein Name ist Oliver Sturm u...

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