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Wie bringen wir den Monolith vom Desktop ins Web?

Stück für Stück


Noch immer bildet ein Softwaremonolith aus den 80er- und 90er-Jahren das operative Herzstück vieler Firmen. Dieser wurde über Jahrzehnte entwickelt, optimiert und oft sind Versuche einer Big-Bang-Migration gescheitert. Wie sieht der Weg in die Zukunft aus? Dieser Artikel ist von einem aktuellen Projekt inspiriert, das mit dem Parallelbetrieb von Neu und Alt in Angriff genommen wurde und kürzlich den Sprung in die Produktion geschafft hat.

Wer kennt sie nicht? Applikationen, die mit viel Engagement und Liebe zum Detail über Jahre weiterentwickelt wurden. Der Begriff des User-Experience-Design wurde dabei so verstanden, dass dem User jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wurde. Und dieser hat sich mittlerweile an den individuellen Komfort gewöhnt und warnt uns Softwaredienstleister vor zu drastischen Konsolidierungen von Spezialfeatures.

Vermutlich tut man gut daran, solche Warnungen von Kunden und Benutzern ernst zu nehmen. Schließlich scheint in der Firmengeschichte einiges richtig gemacht worden zu sein, sonst wäre das Produkt nicht mehr auf dem Markt oder in Betrieb und die bevorstehende Ablösung stünde gar nicht auf der Agenda.

Nun ja, die Zeiten haben sich geändert. Und so beschäftigen sich derzeit viele Unternehmen damit, diese alten Desktopapplikationen in neuem Glanz und mit fast identischem Funktionsumfang möglichst rasch ins Web zu bringen. Dabei stehen sie unter anderem vor folgenden Herausforderungen:

  • Time to Market

  • Lückenlose Funktionalität

  • Große Informationsmenge im Web-Frontend

Diese Herausforderungen bergen erfahrungsgemäß hohe Risiken. Dazu gehört ein möglicher Akzeptanzverlust bei einer „Big-Bang-Einführung“ oder eine Wildwasserfahrt im Wasserfall(modell) mit Folgen wie Qualitätsverlust, Verzögerungen und Kundenabwanderung zu moderneren Mitbewerbern.

… ja, das wird dauern. Aber wir liefern zeitnah!

An der Tatsache, dass die komplette Ablösung großer Systeme lange dauern kann, ändert eine schrittweise Vorgehensweise nichts. Doch durch eine geschickt priorisierte Ablösung der zentralen alten User Interfaces Schritt für Schritt erhalten die Benutzer innerhalb kurzer Zeit ein modernes Produkt, das sich gelegentlich der vertrauten und bewährten alten Dialoge bedient und diese weiternutzt. Wer jetzt vermutet, dass der Benutzer dabei denselben Geschäftsfall, den er eben im neuen System bearbeitet, im alten System suchen muss, um danach mühsam zum gewünschten Fenster zu navigieren, täuscht sich. Besser ist es, nahtlos aus dem Browser das alte Fenster zu öffnen, die Aufgabe zu erledigen und ohne Umwege wieder im Browser weiterzuarbeiten. Klingt doch verlockend, oder?

Um die Aufmerksamkeit und die Arbeit des Benutzers gezielt auf die neue Webapplikation zu lenken, kann beispielsweise die Hauptnavigation schon im ersten Release in den Browser migriert werden. Solange alte Dialoge aus der Webapplikation aufgerufen werden, muss jedoch sichergestellt werden, dass die alte Applikation auf dem Rechner des Benutzers installiert und gestartet ist. Dazu empfiehlt es sich, Authentisierung und Applikationsstart weiterhin über die alte Anwendung zu bewerkstelligen. Das bedeutet aber auch, dass ein Log-out bzw. ein Beenden der alten Applikation irgendwie dem Browser bzw. der neuen Applikation mitgeteilt werden muss. Diese fällt dann automatisch auch in den abgemeldeten Zustand und teilt das dem Benutzer entsprechend mit.

Je nach Datenmigrationsverfahren können auch bei der Deaktivierung von Funktionalitäten in der alten Applikation sogenannte Feature-Toggles die Akzeptanzrisiken vermindern (Abb. 1). Sollte die Neuauflage einer Maske bei den Benutzern trotz ausführlicher User-Experience-Analysen nicht gut ankommen, können so die vertrauten Masken temporär reaktiviert werden. So gelingt ein kurzes Time to Market mit weiteren positiven Nebeneffekten, die in den nachfolgenden Abschnitten beschrieben werden.

keller_monolith_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Nahtlose Interaktion...

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