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Windows Developer
Kolumne: Karrieretipps

Showtime: Der tägliche PowerPoint-Wahnsinn

Neben normalen technischen Aufgaben wird heute in fast jedem Meeting vor allem von IT-Führungskräften eine aussagekräftige Statuspräsentation verlangt. Und so hangelt man sich von Meeting zu Meeting und baut für den jeweiligen Agendaschwerpunkt jedes Mal aus alten Präsentationen eine neue zusammen. Das raubt einem nicht nur viel Zeit, sondern auch häufig den letzten Nerv. Geht es heute tatsächlich nur noch darum, seine Kollegen und Vorgesetzten mit eindrucksvollen Grafiken zu überzeugen? Was gilt es zu beachten, und wie wäre es, wenn man mal ganz neue Wege einschlägt und ohne PowerPoint-Präsentation ins Meeting geht?

Yasmine Limberger


Der Einführung innovativer neuer Anwendungen treten IT-Experten meist noch mit leuchtenden Augen und einer angeborenen Neugier entgegen. Das Ausprobieren neuer Softwaretools, Versionsupgrades bei den Programmiersprachen oder auch das Entwickeln von neuen digitalen Lösungen sorgt bei Entwicklern in der Regel zunächst für eine natürliche Skepsis, aber auch für eine gewisse Euphorie und einen grundsätzlichen Optimismus.Da sitzt man gefühlt wieder im zwanzigsten Meeting für heute und der Kollege versucht, die Truppe mit einer dreißigseitigen PowerPoint-Präsentation in den Schlaf zu wiegen – nein, von seiner technischen Lösungsvariante zu überzeugen. Es wurden Excel-Tabellen und Grafiken eingebaut, Bulletpoints schießen wie Pistolenkugeln auf dem Screen hervor und zählen jeden noch so kleinen Mehrwert und Umstand auf, der für diese Lösung spricht. Nach der dritten Folie ist man geistig irgendwie ausgestiegen, und nun bei Folie 19 muss man versuchen, den Anschluss wieder zu finden. Gleich wird darüber diskutiert, ob diese oder eine der zwei anderen Lösungsvarianten, die man in der Präsentation zuvor gehört hat (wie lautete die zweite Variante doch gleich?) letztlich den Zuschlag bekommt. Diese essenzielle Entscheidung legt den Grundstein für die nächsten sechs Monate, sie gibt den Takt für das gesamte Entwicklerteam vor, und somit ist es wichtig, dass alles, wirklich alles in Bild und Ton präsentiert wurde. Der Kollege fasst noch einmal alle Varianten zusammen, dazu hat er einen letzten ­Slide mit der Seitennummerierung 78 als Management Summary angefertigt. Hätte das nicht eigentlich als Diskussionsgrundlage gereicht? Keiner würde sich trauen, diese Frage laut auszusprechen, denn dann müssten einige sich eingestehen, dass sie die erste Variante gar nicht verstanden haben und hier bitte nochmal alle Risiken und Nebenwirkungen dargestellt haben möchten. Somit nicken die technischen Experten einträchtig und starten erst dann in die Diskussionsrunde. Dazu wird noch einmal zurück- und vorgeblättert: Variante 1, Slide 16, Mehrwert Variante 2, ­Slide 39 und wieder zurück zu den Risiken der Variante 1 auf Slide 19. Nach der zweistündigen Sitzung brummt jedem der Kopf, und man kommt zu dem Ergebnis, dass Variante 2 wohl die präferierte Lösung zu sein scheint. Es werden noch die nächsten Schritte besprochen, dann begibt sich jeder zurück an seinen Arbeitsplatz, mit der Hoffnung, endlich mit seiner eigentlichen Arbeit anzufangen. Schließlich ist es mittlerweile 16:30 U...

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Showtime: Der tägliche PowerPoint-Wahnsinn

Neben normalen technischen Aufgaben wird heute in fast jedem Meeting vor allem von IT-Führungskräften eine aussagekräftige Statuspräsentation verlangt. Und so hangelt man sich von Meeting zu Meeting und baut für den jeweiligen Agendaschwerpunkt jedes Mal aus alten Präsentationen eine neue zusammen. Das raubt einem nicht nur viel Zeit, sondern auch häufig den letzten Nerv. Geht es heute tatsächlich nur noch darum, seine Kollegen und Vorgesetzten mit eindrucksvollen Grafiken zu überzeugen? Was gilt es zu beachten, und wie wäre es, wenn man mal ganz neue Wege einschlägt und ohne PowerPoint-Präsentation ins Meeting geht?

Yasmine Limberger


Der Einführung innovativer neuer Anwendungen treten IT-Experten meist noch mit leuchtenden Augen und einer angeborenen Neugier entgegen. Das Ausprobieren neuer Softwaretools, Versionsupgrades bei den Programmiersprachen oder auch das Entwickeln von neuen digitalen Lösungen sorgt bei Entwicklern in der Regel zunächst für eine natürliche Skepsis, aber auch für eine gewisse Euphorie und einen grundsätzlichen Optimismus.Da sitzt man gefühlt wieder im zwanzigsten Meeting für heute und der Kollege versucht, die Truppe mit einer dreißigseitigen PowerPoint-Präsentation in den Schlaf zu wiegen – nein, von seiner technischen Lösungsvariante zu überzeugen. Es wurden Excel-Tabellen und Grafiken eingebaut, Bulletpoints schießen wie Pistolenkugeln auf dem Screen hervor und zählen jeden noch so kleinen Mehrwert und Umstand auf, der für diese Lösung spricht. Nach der dritten Folie ist man geistig irgendwie ausgestiegen, und nun bei Folie 19 muss man versuchen, den Anschluss wieder zu finden. Gleich wird darüber diskutiert, ob diese oder eine der zwei anderen Lösungsvarianten, die man in der Präsentation zuvor gehört hat (wie lautete die zweite Variante doch gleich?) letztlich den Zuschlag bekommt. Diese essenzielle Entscheidung legt den Grundstein für die nächsten sechs Monate, sie gibt den Takt für das gesamte Entwicklerteam vor, und somit ist es wichtig, dass alles, wirklich alles in Bild und Ton präsentiert wurde. Der Kollege fasst noch einmal alle Varianten zusammen, dazu hat er einen letzten ­Slide mit der Seitennummerierung 78 als Management Summary angefertigt. Hätte das nicht eigentlich als Diskussionsgrundlage gereicht? Keiner würde sich trauen, diese Frage laut auszusprechen, denn dann müssten einige sich eingestehen, dass sie die erste Variante gar nicht verstanden haben und hier bitte nochmal alle Risiken und Nebenwirkungen dargestellt haben möchten. Somit nicken die technischen Experten einträchtig und starten erst dann in die Diskussionsrunde. Dazu wird noch einmal zurück- und vorgeblättert: Variante 1, Slide 16, Mehrwert Variante 2, ­Slide 39 und wieder zurück zu den Risiken der Variante 1 auf Slide 19. Nach der zweistündigen Sitzung brummt jedem der Kopf, und man kommt zu dem Ergebnis, dass Variante 2 wohl die präferierte Lösung zu sein scheint. Es werden noch die nächsten Schritte besprochen, dann begibt sich jeder zurück an seinen Arbeitsplatz, mit der Hoffnung, endlich mit seiner eigentlichen Arbeit anzufangen. Schließlich ist es mittlerweile 16:30 U...

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