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Teil 5: Auch abseits von Windows gibt es Leben

Qt auf Abwegen


Der wichtigste Sinn eines Cross-Plattform-Frameworks ist es, hauseigenen Code auf verschiedenen Betriebssystemen ausführbar zu machen. Nachdem wir uns in den letzten vier Heften unter Windows ausgetobt haben, wollen wir nun den Sprung auf Android wagen.

Analog zu den letzten vier Artikeln wollen wir auch diesmal auf eine Windows-10-Workstation als Entwicklungsumgebung setzen. Bedenken Sie dabei allerdings, dass sich Qt Creator unter Linux oder macOS im Bereich der Android-Entwicklung analog verhält. Wer seine Android-Entwicklung seit jeher unter Linux durchführt, muss das umfangreiche SDK nicht nochmals herunterladen. Am Ende dieses Exkurses werden wir jedenfalls eine kleine Qt-Applikation einsatzbereit haben, die sich unter Android ausführen lässt.

Schon an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Qt – wie alle Cross-Plattform-Frameworks – keine „Get-Out-of-Jail-Free“-Karte in Bezug auf die Auseinandersetzung mit dem Hostbetriebssystem darstellt. Wer nicht zumindest Grundkenntnisse der Android-Programmierung mitbringt, erleidet über kurz oder lang Schiffbruch. Die in Qt enthaltenen Abstraktionen reichen mit Sicherheit sehr weit, man kommt aber trotzdem an ihre Grenzen.

Welche Version darf es sein?

Zum Herunterladen von Qt für Android müssen wir das schon bekannte Qt Maintenance Tool anwerfen, um zusätzliche Komponenten bereitzustellen. Zum Zeitpunkt der Drucklegung präsentieren sich die Android-relevanten Teile wie in Abbildung 1 gezeigt.

hanna_qt_teil5_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Komponenten der Qt-Einrichtung auswählen

Aufgrund lizenzrechtlicher Probleme kann die Qt Company die für die Android-Entwicklung notwendigen Komponenten nicht als Teil des Qt-Installers anbieten. Besuchen Sie https://developer.android.com/studio, und laden die dort bereitstehende .exe-Datei herunter. Lassen Sie anfangs alle Optionen markiert, um eine vollständige Version von Android Studio zu erhalten. Sollte Ihre Workstation noch keine Java Toolchain enthalten, so müssen Sie diese ebenfalls herunterladen.

Im Rahmen des ersten Starts fragt Android Studio, welche Komponenten bereitzustellen sind. Entscheiden Sie sich im Fenster Install Type für die Option Custom und selektieren Sie danach das SDK. Wer seine Qt-Applikationen im Emulator testen möchte, benötigt auch die umfangreichen HAXM- und Emulator-Image-Downloads. Nach dem Anklicken des Finish-Buttons beginnt Android Studio jedenfalls mit der Bereitstellung der Daten, die ob der eingeschränkten Serverleistung vonseiten Googles mitunter Zeit in Anspruch nimmt. Nach dem Start von Android Studio klicken wir auf Configure SDK Manager, um das Werkzeug zur Verwaltung der auf der Workstation befindlichen Google-Tools zu laden. Wechseln Sie in die Rubrik SDK Tools und entscheiden Sie sich, wie in Abbildung 2 gezeigt, für das Herunterladen des NDK.

hanna_qt_teil5_2.tif_fmt1.jpgAbb. 2: Das NDK ist für die C++-Entwicklung erforderlich

Sind alle Komponenten auf dem Rechner, starten wir Qt Creator. Klicken Sie auf Extras | Einstellungen | Geräte | Android, um das Fenster zur Einrichtung der Android-Build-Konfiguration auf den Bildschirm zu holen. Im Feld Android SDK Path geben Sie eine Abart des Strings C:\Users\tamha\AppData\Local\Android\Sdk ein, der ebenfalls manuell einzugebende NDK-Pfad lautet C:\Users\tamha\AppData\Local\Android\Sdk\ndk-bundle. Für das JDK ist auf der Maschine des Autors der Pfad C:\Program Files\Java\jdk-12.0.1 verantwortlich.

In vielen Fällen moniert Qt Creator an dieser Stelle das Fehlen des Plattform-SDKs. Versuchen Sie in diesem Fall im ersten Schritt, in Android Studio das API in Version 25 zu laden. Führt auch das nicht zum Ziel, so benötigen Sie JDK 8 in Version X86. Setzen Sie den JDK-Pfad auf C:\Program Files (x86)\Java\jdk1.8.0_212, und starten Sie Qt Creator neu. Normalerweise funktioniert spätestens dann alles wie in Abbildung 3 gezeigt.

hanna_qt_teil5_3.tif_fmt1.jpgAbb. 3: Diese Konfiguration ist kompilationsbereit

Erste Schritte

Der Autor entscheidet sich im Interesse der Bequemlichkeit in den folgenden Schritten für die SUSResourceDemo, mit der wir im letzten Heft experimentiert haben. Sofern Sie die Windows-Toolchain deinstalliert haben, begrüßt sie Qt Creator nach dem Laden der .pro-Datei mit dem Kit-Auswahlfenster. Achten Sie dort darauf, alle ARM-Varianten zu selektieren, um mit allen Gerätetypen gleichermaßen zurechtzukommen. Wer auch mit dem Emulator herumspielen möchte, muss die Unterstützung für X86 aktivieren.

Sollten Sie die Windows Toolchain noch auf ihrer Workstations haben, laden Sie das Projekt stattdessen wie gewohnt. Klicken Sie daraufhin in der links am Bildschirm eingeblendeten Toolbar auf die mit einem Sechskantschlüssel dekorierte Projekte-Rubrik. Im Feld Erstellung und Ausführung finden Sie danach einige grau hinterlegte Kits für Android, die Sie durch einen Linksklick aktivieren können. Nicht mehr benötigte Ki...

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