Windows Developer - 12.2018 - KI für den Prüfstand


Preis: 9,80 €

Erhältlich ab:  November 2018

Umfang:  100

Autoren / Autorinnen: Marisa Tschopp, Marc Ruef, Frank Düsterbeck, Rico Saßen, Gregor Biswanger, Rainer Stropek, Jeremias Rößler, Tam Hanna, Holger Schwichtenberg, Madeleine Domogalla, Patricia Stübig-Schimanski, Manfred Steyer, Veikko Krypczyk, Elena Bochkor, Marc André Zhou, Yasmine Limberger, Marcel Tilly, Johannes Woithon, Carsten Eilers

Liebe Leserin, lieber Leser,

künstliche Intelligenz und Machine Learning sind in immer mehr Bereichen der IT präsent. Sie unterstützen Software bei der Erkennung und Erfüllung unserer Wünsche – vielleicht haben Sie heute ja schon mit Siri, Alexa, Cortana oder Ihrem Google Assistant gesprochen. Diese Systeme haben schon längst Einzug in unseren Alltag gehalten. Sie als Entwickler und Entwicklerinnen können sie natürlich auch nutzen. In vielen Fällen handelt es sich dabei noch um eine Spielerei, bei der es darum geht, etwas auszuprobieren, sich faszinieren zu lassen, und wenn dabei möglicherweise noch ein bisschen mehr Komfort herausspringt, ist man zufrieden. Ausprobieren und Austesten ist natürlich auch wichtig; es kommt ja auch vor, dass durch Zufälle Innovationen geschaffen werden, einfach weil man mal geschaut hat, was passiert, wenn …

Andererseits ist angesichts der Fülle an verschiedenen Machine-Learning-Algorithmen und Cognitive Services ein solches „Einfach mal drauflos Testen“ kaum mehr möglich. Um ans Ziel zu kommen und sich nicht in den vielen Optionen zu verlieren, sollte man besser ganz genau wissen, was man braucht. Bei der Anschaffung eines Autos kann man natürlich einfach das Modell kaufen, das einen auf Anhieb anspricht. In diesem Fall wird es sicher ein Auto sein, das zu dem Leben passt, das man gerne führen möchte. Aber nur, weil man dieses Auto fährt, verändert sich ja nicht das ganze Leben und vermutlich wird man auf lange Sicht nicht zufrieden sein, weil es den tatsächlichen Anforderungen, die der Alltag an das Auto stellt, nicht gerecht wird.

KI als Mittel zum Zweck

Die nachhaltigere Lösung ist es dann, sich genau darüber im Klaren zu sein, welche Art Auto man braucht, um seine Aufgaben am besten erfüllen zu können. Oder welche KI. Oder welchen Cognitive Service. Marisa Tschopp und Marc Ruef stellen in ihrem Artikel „Ein IQ-Test für künstliche Intelligenz“ (S. 34) ganz klar heraus, dass KI-Systeme immer Mittel zum Zweck sind. Das bedeutet aber natürlich auch, dass man sich über das Ziel im Klaren sein muss. Nur dann kann man tatsächlich sinnvoll entscheiden, ob und wie KI als adäquates Mittel zur Zielerreichung infrage kommt. KI sollte immer auf dem Prüfstand stehen. Ob sie allerdings auch für den Prüfstand taugt, betrachtet Jeremias Rößler in seinem Artikel zu künstlicher Intelligenz bei Softwaretests (S. 42).

Es lohnt sich sehr, manchmal nicht nur einen, sondern gleich drei oder vier Schritte vom eigenen Projekt zurückzutreten. Nur mit dem nötigen Abstand lässt sich ganz nüchtern feststellen, welche Bedürfnisse das Projekt hat und ob KI eine Lösung darstellt. Passen Sie Ihren eigenen Prozess nicht um der KI Willen der KI an, lernen Sie lieber, die richtigen Fragen zu stellen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit umso höher, dass Sie die richtige KI auswählen und Ihr Projekt zum Erfolg wird.

stuebig_patricia_sw.tif_fmt1.jpgPatricia Stübig-Schimanski, Redakteurin

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