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Windows Developer
Langfristig erfolgreiche Firmen gehen gelassen mit Legacy um

Kolumne: Stropek as a Service

„Legacy software is software that earns money.“ In diesem Sprichwort steckt mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Unsere Softwarebranche feiert sich selbst wegen ihrer rasch aufeinanderfolgenden Innovationen. Wer dazugehören will, nutzt immer die aktuellsten Sprachen, die neuesten Frameworks und heißesten Tools. Es kann nicht Beta und Preview genug sein. Wir vergessen dabei, dass fast jede Software, die heute mit (B)Leading-Edge-Technologie gebaut ist, im Laufe der Zeit viele Legacy-Komponenten enthalten wird. Ich kenne kein einziges Softwareunternehmen, das in der Lage wäre, genügend finanzielle und personelle Ressourcen auf die Beine zu stellen, um dieser Tatsache vollständig zu entkommen.

Rainer Stropek


SelbsterkenntnisViele Teams schrecken vor einer solchen Bestandsaufnahme zurück, da es ihnen unangenehm ist, offen zuzugeben, dass ihre Software zum Teil auf veralteten Komponenten aufgebaut ist. Das klingt nach Versagen. Ist es aber nicht! Softwarealterung ist eine unvermeidliche Tatsache für Software, die über lange Zeit im Einsatz und am Markt erfolgreich ist. Kunden wünschen sich neue Funktionen, und die Arbeit an ihnen steht in Konkurrenz zu Modernisierungsmaßnahmen an der Basis. Hat ein Team alle Zeit der Welt, um alle Komponenten auf dem Laufenden zu halten und jedem Trend hinterherzulaufen, dann fehlen ihm wahrscheinlich die nach funktionalen Erweiterungen rufenden Kunden.Legacy-ManagementMit diesen Aussagen meine ich keinesfalls, dass es richtig ist, veraltete Systemteile als gegeben hinzunehmen und keinerlei Schritte hin zu ihrer Modernisierung zu unternehmen. Diese Extremposition wäre genauso verkehrt wie das manische Bedürfnis, immer mit allem auf dem neuesten Stand sein zu müssen. Es braucht eine gesunde Balance aus funktionalen Erweiterungen und technischer Modernisierung, die durch einen Priorisierungsprozess geleitet ist. Die Priorisierung sollte, soweit machbar, auf objektiven Kriterien wie Nutzungsdaten, Kundenbefragungen und Risikokalkulationen aufbauen.Legacy-KulturVor einigen Monaten hatte ich als Berater ein Engagement bei einem Kunden, bei dem es um die Modernisierung einer in die Jahre gekommenen Standardsoftwarelösung ging. Das bestehende Produkt basierte auf sehr alter Technologie, war aber am Markt erfolgreich und wurde von einem einzigen Mitarbeiter am Leben erhalten, der schon lange im Unternehmen tätig war. Ihm gegenüber saß ein mehrköpfiges, junges Entwicklungsteam, dessen Aufgabe die komplette Neuentwicklung der Software war. Der Mitarbeiter, der die bestehende Lösung zu warten hatte, war ständigen (teilweise) unterschwelligen Vorwürfen wegen mangelnder Innovationsbereitschaft ausgesetzt, weil er auf viele Hürden für die Neuentwicklung hinwies, die er aus jahrelanger Praxis kannte. Niemand kam auf die Idee, ihn zu fragen, wie er mit technisch und personell beschränkten Mitteln in der Lage war, die Software so lange erfolgreich am Laufen zu halten. Das Management stellte mir gegenüber das neue Entwicklungsteam als technologische Superstars vor. Keine Rede von dem Teammitglied, dessen erfolgreiche Arbeit das Neuentwicklungsprojekt finanziell erst ermöglicht hatte.Eine solche Vorgehensweise ist menschlich nicht in Ordnung un...

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Langfristig erfolgreiche Firmen gehen gelassen mit Legacy um

Kolumne: Stropek as a Service

„Legacy software is software that earns money.“ In diesem Sprichwort steckt mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Unsere Softwarebranche feiert sich selbst wegen ihrer rasch aufeinanderfolgenden Innovationen. Wer dazugehören will, nutzt immer die aktuellsten Sprachen, die neuesten Frameworks und heißesten Tools. Es kann nicht Beta und Preview genug sein. Wir vergessen dabei, dass fast jede Software, die heute mit (B)Leading-Edge-Technologie gebaut ist, im Laufe der Zeit viele Legacy-Komponenten enthalten wird. Ich kenne kein einziges Softwareunternehmen, das in der Lage wäre, genügend finanzielle und personelle Ressourcen auf die Beine zu stellen, um dieser Tatsache vollständig zu entkommen.

Rainer Stropek


SelbsterkenntnisViele Teams schrecken vor einer solchen Bestandsaufnahme zurück, da es ihnen unangenehm ist, offen zuzugeben, dass ihre Software zum Teil auf veralteten Komponenten aufgebaut ist. Das klingt nach Versagen. Ist es aber nicht! Softwarealterung ist eine unvermeidliche Tatsache für Software, die über lange Zeit im Einsatz und am Markt erfolgreich ist. Kunden wünschen sich neue Funktionen, und die Arbeit an ihnen steht in Konkurrenz zu Modernisierungsmaßnahmen an der Basis. Hat ein Team alle Zeit der Welt, um alle Komponenten auf dem Laufenden zu halten und jedem Trend hinterherzulaufen, dann fehlen ihm wahrscheinlich die nach funktionalen Erweiterungen rufenden Kunden.Legacy-ManagementMit diesen Aussagen meine ich keinesfalls, dass es richtig ist, veraltete Systemteile als gegeben hinzunehmen und keinerlei Schritte hin zu ihrer Modernisierung zu unternehmen. Diese Extremposition wäre genauso verkehrt wie das manische Bedürfnis, immer mit allem auf dem neuesten Stand sein zu müssen. Es braucht eine gesunde Balance aus funktionalen Erweiterungen und technischer Modernisierung, die durch einen Priorisierungsprozess geleitet ist. Die Priorisierung sollte, soweit machbar, auf objektiven Kriterien wie Nutzungsdaten, Kundenbefragungen und Risikokalkulationen aufbauen.Legacy-KulturVor einigen Monaten hatte ich als Berater ein Engagement bei einem Kunden, bei dem es um die Modernisierung einer in die Jahre gekommenen Standardsoftwarelösung ging. Das bestehende Produkt basierte auf sehr alter Technologie, war aber am Markt erfolgreich und wurde von einem einzigen Mitarbeiter am Leben erhalten, der schon lange im Unternehmen tätig war. Ihm gegenüber saß ein mehrköpfiges, junges Entwicklungsteam, dessen Aufgabe die komplette Neuentwicklung der Software war. Der Mitarbeiter, der die bestehende Lösung zu warten hatte, war ständigen (teilweise) unterschwelligen Vorwürfen wegen mangelnder Innovationsbereitschaft ausgesetzt, weil er auf viele Hürden für die Neuentwicklung hinwies, die er aus jahrelanger Praxis kannte. Niemand kam auf die Idee, ihn zu fragen, wie er mit technisch und personell beschränkten Mitteln in der Lage war, die Software so lange erfolgreich am Laufen zu halten. Das Management stellte mir gegenüber das neue Entwicklungsteam als technologische Superstars vor. Keine Rede von dem Teammitglied, dessen erfolgreiche Arbeit das Neuentwicklungsprojekt finanziell erst ermöglicht hatte.Eine solche Vorgehensweise ist menschlich nicht in Ordnung un...

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