© vstock24/shutterstock.com
Teil 5: Inclusive Design - Perspektiven zur zugänglichen Gestaltung

Alle(s) inklusive!


Inclusive Design ist Gestaltung, die das Gestaltete für alle Nutzer zugänglich macht. Der Ansatz ist auf alle Arten von Produkten, Dienstleistungen und Services übertragbar. Es geht darum, Personen mit unterschiedlichen Perspektiven einzubeziehen und ihre Bedürfnisse im Entwurf und bei der Gestaltung möglichst umfassend zu berücksichtigen.

Im letzten Teil unserer Serie geht es um die umfassende Berücksichtigung der besonderen Anforderungen an die Gestaltung digitaler Produkte. Bisher haben wir die Anforderungen ausgewählter Nutzergruppen wie Kinder, ältere Personen oder Anwender mit einem Handicap beleuchtet. Inclusive Design geht noch einen Schritt weiter und versucht, die Ansprüche einzelner Nutzergruppen zu einem umfassenden Designentwurf zu bündeln – tauglich für alle Lebenslagen.

Grundsätzlich gilt: Ein ansprechendes Design ist mehr als nur ein gut gestaltetes User Interface. Es ist die Grundlage dafür, dass die Nutzer eines Produkts als Menschen angesprochen werden. Das Design erfolgt nicht zum Selbstzweck, sondern soll die Bedürfnisse unterschiedlicher Personengruppen berücksichtigen und diese bei der Gestaltung einbeziehen. Ziel ist es, alle an Kunst, Kultur und Information Interessierten teilhaben zu lassen, damit möglichst alle Menschen Produkte und Dienstleistungen ohne Einschränkungen nutzen können. Mit anderen Worten: Produkte und Dienstleistungen sollen dem Nutzer dienen, nützlich sein und für Integration sorgen.

Folgt man diesem Anspruch, dann ist mit Inclusive Design viel mehr als nur Barrierefreiheit gemeint. Diversität und Heterogenität der Nutzerinnen und Nutzer gilt es als das eigentliche Potenzial und die größte Herausforderung eines Designentwurfs zu begreifen. Mit diesem Fokus sollen Lösungen entstehen, die besonders einfach bedienbar und an individuelle Anforderungen anpassbar sind. Werden Probleme ausschließlich aus einer Perspektive gelöst, ist das Gegenteil der Fall: Exklusivität schafft Exklusion und schließt viele Menschen aus. Ein konkretes Beispiel: Beim Entwurf einer Benutzeroberfläche dürfen Entwicklerinnen und Entwickler nicht nur die eigenen Ansprüche und Möglichkeiten im Blick haben. Es gilt, mögliche Hürden der Nutzung zu entdecken und diese zu umgehen. Ein guter Ausgangspunkt sind die folgenden Fragen:

  • Kann die App auch gut von älteren Menschen bedient werden – gibt es eine Möglichkeit zum Zoom für die Größe der Schrift und Symbole?

  • Sind auch weitere Sprachen verfügbar?

  • Ist es ggf. sinnvoll, eine alternative Sprachnavigation anzubieten?

  • Sind die Begriffe auch für Laien verständlich?

  • Sind die Informationen auch unter besonderen Lichtverhältnissen lesbar?

Inclusive Design bedeutet vor allem: von Diversität lernen. Statt nur theoretisch an der Gestaltung zu arbeiten, geht es darum, andere Personen und Organisationen in den Prozess miteinzubeziehen. Inclusive Design zeichnet sich durch Nutzerorientierung, Gebrauchsfreundlichkeit, Anpassbarkeit und durch eine hohe ästhetische Qualität aus. Um diese Ziele zu erreichen, sollten potenzielle Nutzer an möglichst allen Phasen der Entwicklung beteiligt werden. Im Ergebnis sollen die entwickelten Produkte dann einfach und sicher anwendbar sein. Das Design soll sich an Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten richten und eine breite Palette individueller Vorlieben und Möglichkeiten unterstützen. Inklusive Produkte sind für einen breiten Nutzerkreis bestimmt, können aber leicht individuell weiter angepasst werden. Die Bedienung soll unabhängig vom Wissensstand über das Produkt möglichst intuitiv funktionieren. Ihre Gestaltung soll ästhetisch sein. Nur Produkte, die zugleich attraktiv und komfortabel im Design sind, eignen sich für den Massenmarkt und können vorhandene Potenziale ausschöpfen. Vor der Auslieferung müssen Anwendungen in der Praxis auf mögliche Fehlerquellen überprüft werden. Meistbenutzte Funktionen müssen gut zugänglich platziert werden, risikobehaftete Elemente sind in den Hintergrund zu rücken.

Ein Beispiel: Die Nutzung von E-Government, d. h. der digitalen Abwicklung von Verwaltungsprozessen zwischen Bürgern und Staat, steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Anstelle von papierlos-digitalen Abläufen hantieren wir noch mit Papieranträgen und -formularen und müssen stets persönlich vor Ort in den Ämtern erscheinen. Natürlich ginge das bereits anders. Dazu bräuchte es jedoch eine umfassende Analyse der Bedürfnisse der Bürger – und diese Bedürfnisse und Möglichkeiten sowie mögliche Einschränkungen müssten bei der Abwicklung von Verwaltungsvorgängen auch berücksichtigt werden. Das erfordert zunächst eine politische Willensbildung sowie die Selbstverpflichtung der Verwaltung zur Inklusion und Barrierefreiheit. Man müsste leicht verständliche und einfach handhabbare elektronische Identifikations- und Unterschriftenverfahren entwickeln, zulassen und für alle Nutzer verständlich erklären. Die elektronischen Funktionen des modernen Personalausweises sind jedoch nur den wenigsten Bürgern genauer bekannt und werden von einer noch kleineren Nutzergruppe auch aktiv eingesetzt. In der Presse liest man in diesem Zusammenhang dann Folgendes: „In einigen Landkreisen lässt sich zum Beispiel online das Auto abmelden, eine Meldebestätigung beantragen, ein Umzug melden oder die Briefwahl beantragen. Doch jedes Land und jede Kommune entscheidet selbst über das Angebot, deshalb gleicht das Angebot bisher einem Flickenteppich.“ Oder wi...

Neugierig geworden? Wir haben diese Angebote für dich:

Angebote für Gewinner-Teams

Wir bieten Lizenz-Lösungen für Teams jeder Größe: Finden Sie heraus, welche Lösung am besten zu Ihnen passt.

Das Library-Modell:
IP-Zugang

Das Company-Modell:
Domain-Zugang