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Kolumne: Karrieretipps

Homeoffice – warum sieht mich keiner?


Ein verregneter Dienstagmorgen im Homeoffice. Gerade hat man die zweite Videokonferenz hinter sich gebracht, schon wählt man sich mit einem Kaffee in der einen Hand und einem belegten Toastbrot in der anderen in das nächste Meeting ein. Die Teilnehmerliste zeigt erst zwei Kolleginnen an, die pünktlich erschienen sind, alle anderen tröpfeln nach und nach dazu. Sechs Minuten nach Meetingbeginn stehen auf der Teilnehmerliste dann 12 Namen, bei denen man feststellen muss, dass man zwei davon zwar namentlich, aber bisher nur das Bild aus der Teilnehmerliste kennt. Persönlich getroffen hat man sich bisher nicht. Die Stimme ist einem auch unbekannt. Wo haben sich diese Kollegen so lange versteckt?

Das Arbeiten im Homeoffice ist gerade in der IT-Branche nicht erst seit der Coronapandemie ein gängiges Arbeitsmodell. Technisch gut ausgestattet, gibt es hier im Gegensatz zu manch anderen Branchen auch wenig Probleme, wenn man nicht gerade in Hintertupfingen mit einer niedrigen Bandbreite und überlastetem Internet zu kämpfen hat. Technisch stimmen die Voraussetzungen also meist, aber dennoch gibt es immer noch Kolleg*innen, die im Homeoffice irgendwie untergehen. Sie liefern ihre Ergebnisse pünktlich ab, sind bei jedem Onlinemeeting anwesend und beteiligen sich mehr oder weniger aktiv an den Diskussionen, aber dennoch werden sie schnell vergessen. Meist sind das jedoch dieselben Personen, die auch im Büro schnell vergessen werden. Warum eigentlich?

Man könnte hier mit Charisma und Körpersprache argumentieren, was online aber nur wenig Spielraum bietet. Der Grund liegt also noch tiefer in der Persönlichkeitsmatrix. Während manche penetrant oft anrufen, zu Meetings und Absprachen einladen, sich überall reindrängeln, um nur nichts zu verpassen, warten andere ab, dass jemand auf sie zukommt. Einmal angesprochen, bieten diese „Unsichtbaren“ auch sofort ihre Unterstützung an und erledigen alle übertragenen Aufgaben „stets zur vollsten Zufriedenheit“. Nur karrieretechnisch kommen sie trotzdem nicht weiter, vor allem deswegen, da sie nicht aktiv kommunizieren, dass sie das wollen. Nach einem Zwei-Stunden-Meeting – egal ob live oder online – sind diese Kolleg*innen genauso entspannt wie vor dem Meeting, schließlich haben sie sich nicht verausgabt. Sie haben ihre To-dos notiert und machen sich wieder an die Arbeit. Vielleicht gibt es hier und da mal eine Rückfrage, aber keine lautstarken Diskussionen oder Kritiken, sondern vielmehr gut durchdachte Ideen und Vorschläge, die dann aber oft nicht als solche wahrgenommen werden. In unserem hektischen Alltag hören wir den „Leisen“ heute kaum mehr zu. Das hat etwas mit unserer Wahrnehmung zu tun. Wir filtern das für uns vermeintlich Unwichtige aus unserer Umgebung heraus. Sitzen wir in einem Großraumbüro, was in Zeiten von Corona ja undenkbar ist, so hören wir ein ständiges Grundrauschen – eine Mischung aus Stimmen, Drucker, Kaffeemaschine etc. – nicht mehr. Wir haben gelernt, uns zu fokussieren. Im Homeoffice haben wir entweder das Glück, dass wir in einem ruhigen eigenen Arbeitszimmer sitzen und weitgehend ungestört sind, oder aber wir sitzen mittendrin zwischen Distanzunterricht und Familie, zwischen Staubsauger und Spülmaschine, zwischen Hausaufgabenbetreuung und klingelndem Paketdienst. Auch hier haben wir mittlerweile gelernt, ...

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