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Windows Developer
Kolumne: Karrieretipps

Mission Impossible

Das kennt wohl jeder Entwickler: Der Releasetermin der neuen Software steht kurz bevor, doch man selbst hat größte Zweifel, dass die aktuelle Version den Endbenutzer überzeugen wird. Einige Schnittstellen harmonieren noch nicht richtig bzw. fehlen ganz. Die Abfragemaske sieht noch nicht sehr ansprechend aus und von intuitiv bedienbar kann auch noch keine Rede sein. Aber der Kunde will in zehn Tagen live gehen und der Projektleiter macht daher Druck, die Lösung trotz diverser Mängel als innovativ und technisch ausgereift zu verkaufen. Fehler und Schönheitskorrekturen können in der nächsten Version verbessert werden. Aber kann man den aktuellen Stand wirklich guten Gewissens präsentieren? Oder sollte man darauf drängen, den Releasetermin lieber noch einmal um gute vier Wochen zu verschieben?

Yasmine Limberger


Dieses Dilemma haben sicher die meisten Entwickler in einer ähnlichen Situation erlebt. Klar, ein Programm ist niemals in der ersten Version perfekt, und hätten große namhafte Softwarehersteller immer erst ihr Produkt dem Markt präsentiert, wenn es gemäß dem Ergebnis endloser Testreihen als fehlerfrei markiert worden wäre, so wären sie wohl niemals so erfolgreich geworden. Sie hätten den richtigen Augenblick verpasst, wären zu spät gestartet, und die Konkurrenz hätte für das gleiche Produkt (jedoch mit zahlreichen Fehlern) bereits die Marktführerschaft übernommen. Innovationen sind nie wirklich fertig, sie entwickeln sich mit ihrem Anwender. So lautet die Philosophie vieler großer innovativer Hersteller. Aber gilt das auch für das neue Versicherungstool oder das Personalmanagement- und -entwicklungssystem? Seit Jahren arbeiten die Sachbearbeiter mit einem lauffähigen Programm, das jedoch den neuen digitalen Anforderungen mobiler App-Integration mit einfacher Bedieneroberfläche nicht mehr gerecht wurde. Nun ist das neue Tool zwar mehr oder weniger einsatzfähig, aber eine innovative Verbesserung wird für die Anwender auf den ersten Blick sicher nicht erkennbar sein. Das Dilemma ist also: Implementieren wir das neue Tool zeitgerecht als Betaversion mit dem Hinweis „User Acceptance Test unter Livebedingungen“? Dann ist das Geschrei der Anwender vorprogrammiert: „Früher war alles besser!“. Bittet man um eine Aufschiebung des Releasetermins, dann ist nicht nur der Projektleiter, sondern vor allem der Kunde bzw. die Fachabteilung oder das Management verärgert. Je nach Auftraggeber wird aufgrund der argumentierten Wettbewerbsnachteile womöglich noch eine Konventionalstrafe für zu späte Lieferung fällig. Der schwarze Peter liegt am Ende also auf jeden Fall beim Entwickler- und Testteam! Die Gründe für dieses Dilemma können dabei vielschichtig sein: falsche Aufwandsplanung aufgrund des andauernden Kostendrucks, unzureichende Analysephase, zu wenig Testing, mangelnde Kommunikation und Abstimmung unter den verschiedenen Teams, Fehler im Projektmanagement und vieles mehr. Aber Schuldzuweisungen helfen im Nachhinein nicht mehr. Jetzt gilt es abzuwägen. Ist das Tool wirklich einsatzfähig, sind die noch bestehenden Fehler für den Anwender sichtbar und störend oder hinnehmbar? In welchem Zeitrahmen können die Fehler beseitigt werden? Und ist noch Budget für Nachbesserungen vorhanden? Und auch die Fragen: „Wie sieht ein realistischer Zeitplan für das nächste Release des ...

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Das kennt wohl jeder Entwickler: Der Releasetermin der neuen Software steht kurz bevor, doch man selbst hat größte Zweifel, dass die aktuelle Version den Endbenutzer überzeugen wird. Einige Schnittstellen harmonieren noch nicht richtig bzw. fehlen ganz. Die Abfragemaske sieht noch nicht sehr ansprechend aus und von intuitiv bedienbar kann auch noch keine Rede sein. Aber der Kunde will in zehn Tagen live gehen und der Projektleiter macht daher Druck, die Lösung trotz diverser Mängel als innovativ und technisch ausgereift zu verkaufen. Fehler und Schönheitskorrekturen können in der nächsten Version verbessert werden. Aber kann man den aktuellen Stand wirklich guten Gewissens präsentieren? Oder sollte man darauf drängen, den Releasetermin lieber noch einmal um gute vier Wochen zu verschieben?

Yasmine Limberger


Dieses Dilemma haben sicher die meisten Entwickler in einer ähnlichen Situation erlebt. Klar, ein Programm ist niemals in der ersten Version perfekt, und hätten große namhafte Softwarehersteller immer erst ihr Produkt dem Markt präsentiert, wenn es gemäß dem Ergebnis endloser Testreihen als fehlerfrei markiert worden wäre, so wären sie wohl niemals so erfolgreich geworden. Sie hätten den richtigen Augenblick verpasst, wären zu spät gestartet, und die Konkurrenz hätte für das gleiche Produkt (jedoch mit zahlreichen Fehlern) bereits die Marktführerschaft übernommen. Innovationen sind nie wirklich fertig, sie entwickeln sich mit ihrem Anwender. So lautet die Philosophie vieler großer innovativer Hersteller. Aber gilt das auch für das neue Versicherungstool oder das Personalmanagement- und -entwicklungssystem? Seit Jahren arbeiten die Sachbearbeiter mit einem lauffähigen Programm, das jedoch den neuen digitalen Anforderungen mobiler App-Integration mit einfacher Bedieneroberfläche nicht mehr gerecht wurde. Nun ist das neue Tool zwar mehr oder weniger einsatzfähig, aber eine innovative Verbesserung wird für die Anwender auf den ersten Blick sicher nicht erkennbar sein. Das Dilemma ist also: Implementieren wir das neue Tool zeitgerecht als Betaversion mit dem Hinweis „User Acceptance Test unter Livebedingungen“? Dann ist das Geschrei der Anwender vorprogrammiert: „Früher war alles besser!“. Bittet man um eine Aufschiebung des Releasetermins, dann ist nicht nur der Projektleiter, sondern vor allem der Kunde bzw. die Fachabteilung oder das Management verärgert. Je nach Auftraggeber wird aufgrund der argumentierten Wettbewerbsnachteile womöglich noch eine Konventionalstrafe für zu späte Lieferung fällig. Der schwarze Peter liegt am Ende also auf jeden Fall beim Entwickler- und Testteam! Die Gründe für dieses Dilemma können dabei vielschichtig sein: falsche Aufwandsplanung aufgrund des andauernden Kostendrucks, unzureichende Analysephase, zu wenig Testing, mangelnde Kommunikation und Abstimmung unter den verschiedenen Teams, Fehler im Projektmanagement und vieles mehr. Aber Schuldzuweisungen helfen im Nachhinein nicht mehr. Jetzt gilt es abzuwägen. Ist das Tool wirklich einsatzfähig, sind die noch bestehenden Fehler für den Anwender sichtbar und störend oder hinnehmbar? In welchem Zeitrahmen können die Fehler beseitigt werden? Und ist noch Budget für Nachbesserungen vorhanden? Und auch die Fragen: „Wie sieht ein realistischer Zeitplan für das nächste Release des ...

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