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Agile Produktentwicklung von Theorie bis Praxis - Teil 4

Agile Werte und das Agile Manifest


Scrum ist zu einem Sinnbild der Unternehmensagilität geworden. Die beiden Begriffe werden häufig synonym verwendet. Aber wer Scrum macht, ist nicht automatisch agil, auch wenn der Weg dorthin über dieses Framework führen kann. Viel ausschlaggebender ist die Befolgung der Werte des Agilen Manifests.

Im Artikel „Scrum: Eine Einführung für Entwickler“ in der Ausgabe 1.2021 des Windows Developer geht es sehr konkret darum, mit welchen Spielregeln, Events und Rollen das Thema Agilität in einem Rahmenwerk ausgestattet wird. Wenn Unternehmen darüber nachdenken, den Sprung in die Agilität zu wagen, wird die Diskussion meist zuerst über Frameworks, Prozesse und Effizienz geführt. Agilität wird sehr oft mit Scrum gleichgesetzt, und schnell rücken andere, nicht zu vernachlässigende Aspekte in den Hintergrund. „Wenn wir Scrum machen, sind wir ja automatisch agil“, bekommt man dann häufig aus den Führungsebenen der Unternehmen zu hören. Doch das ist definitiv nicht der Fall. Natürlich wird Scrum ein Unternehmen auf dem Weg zur Agilität als mächtiges Werkzeug unterstützen können. Aber die Spielregeln, Rollen und Events zu kennen und in den Alltag der Softwareentwicklung mit einzutakten wird bei Weitem nicht ausreichen, um die gewünschten Ergebnisse wie Effizienz, verbesserte Produktivität, hohe Qualität der Software, selbstorganisierende Teams, ein besseres Verständnis vom Zielbild und kontinuierliche Verbesserung zu erreichen.

Mit Ausrichtung hin zur Agilität sollte nicht vergessen werden, dass auf dem Weg dorthin bekannte, gewohnte und vielleicht auch veraltete Strukturen und Vorgehensweisen infrage gestellt und vielleicht sogar aufgebrochen werden. Um diesen Übergang so einfach wie möglich und zum Wohle aller Beteiligten über die Bühne zu bringen, müssen von der Unternehmensführung bis hin zum Development-Team alle unbedingt ein gemeinsames Verständnis der agilen Werte haben und im Laufe der Zeit tief in ihrem Mindset verankern. Wenn wir von agilen Werten sprechen, muss man zwischen den vier Werten im Agilen Manifest und den fünf Scrum-Werten unterscheiden, die oft ebenfalls als die agilen Werte vermittelt werden. Der Focus dieses Artikels liegt auf den Werten im Agilen Manifest.

haban_scrum_teil4_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Die agilen Werte im Überblick

Im Jahr 2001 trafen sich 17 Vordenker, unter ihnen auch Kent Beck, einer der drei Mitbegründer der Ex-treme-Programming-Idee. Dabei befand er sich in guter Gesellschaft mit Ken Schwaber und Jeff Sutherland, die zusammen in den neunziger Jahren den Scrum-Prozess geformt haben. Das Ziel des Treffens war es, bessere Entwicklungsmöglichkeiten zu ergründen und damit die in den neunziger Jahren omnipräsente Zeitverzögerung zwischen den Kundenanforderungen und der Bereitstellung von Lösungen in Software zu adressieren. Im Zuge dieses Treffens wurden vier agile Werte im „Manifesto for Agile Software Development“ niedergeschrieben (Abb. 1):

  • Individuals and interactions over processes and tools: Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge

  • Working software over comprehensive documentation: Funktionierende Software ist wichtiger als eine umfassende Dokumentation

  • Customer collaboration over contract negotiation: Zusammenarbeit mit dem Kunden ist wichtiger als die Vertragsverhandlung

  • Responding to change over following a plan: Reagieren auf Veränderung ist wichtiger als das Befolgen eines Plans

Diese Werte haben enormen Eindruck hinterlassen und noch heute können sie nicht hoch genug eingeschätzt werden. Aber was bedeuten ...

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