© gina haeussge
Frauen in der Tech-Branche

Im Porträt: Gina Häußge


Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß. Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen und Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Windows Developer: Seit wann interessierst du dich für die Tech-Branche?

Gina Häußge: Ich war schon an Technik interessiert, seit ich denken kann. Ich wollte immer Sachen bauen und auch auseinandernehmen, wollte wissen, wie sie ticken, war interessiert an Wissenschaft und fasziniert von komplexen Abläufen. Zum Glück (und für die 80er gar nicht so selbstverständlich) haben meine Eltern das bereits früh gefördert und mir unglaublich viele Möglichkeiten gegeben, dieses Interesse zu vertiefen und zu spezialisieren. Das fing nicht erst mit dem ersten Elektronikbaukasten mit sechs Jahren an.

Als dann der erste Computer ins Haus kam, als ich etwa sieben Jahre alt war, wollte ich damit natürlich in erster Linie spielen, aber mein Vater erklärte mir, das sei kein Spielzeug, sondern ein Arbeitsgerät. Er zeigte mir, was man damit sonst so anstellen kann, indem er mir ein paar BASIC-Befehle beibrachte und mich damit experimentieren ließ. Und damit war mein Schicksal besiegelt. Als ich erfuhr, dass „Softwareentwickler:in“ ein echter Beruf ist, war mir klar, was ich werden will und habe Schule und Studium entsprechend darauf ausgerichtet.

WD: Wie verlief dein Weg zum jetzigen Job?

Häußge: Ich habe nach dem Abitur Informatik auf Diplom studiert. Erst wollte ich nach dem Diplom noch promovieren, das wurde mir aber alles zu theoretisch und zu wenig praxisbezogen, und ich bin in die Wirtschaft gewechselt. Es folgten einige Jahre als Softwareentwicklerin und dann als Softwarearchitektin in einer großen Firma für Individualsoftwareentwicklung. Ich entfernte mich immer weiter von der eigentlichen Entwicklung („Zu teuer dafür!“) und wurde immer mehr in Entscheidungs- und Führungsrollen gedrückt. Mir fehlte das eigentliche Entwickeln. Gleichzeitig hatte ich mit einem damals erst kürzlich angeschafften 3D-Drucker einen Grund, ein Projekt zu starten, um eine Monitoringlösung für ihn zu schreiben – nur für mich. Daraus wurde ein Open-Source-Projekt, OctoPrint, das inzwischen als der De-facto-Standard für 3D-Drucker-Interfaces gilt und an dem ich heute Vollzeit arbeite.

WD: Hast du ein Vorbild?

Häußge: Weibliche Vorbilder hatte ich abgesehen von meiner Mutter (Mathematik- und Geografielehrerin) zumindest beim Aufwachsen keine – die waren leider Mangelware. Wer Ada Lovelace, Grace Hopper und Co waren, lernte ich erst später. Auch heute kann ich nicht sagen, dass ich direkt Vorbilder habe. Es gibt aber viele Menschen, zu denen ich aufblicke. Was mich unglaublich glücklich macht, ist aber, dass mich jetzt schon die eine oder andere Nachricht von glücklichen OctoPrint-Nutzern erreicht hat, dass ich ein Vorbild für ihre Töchter bin. Damit hätte ich nie gerechnet und das erfüllt mich mit Stolz.

WD: Hat man dir je Steine in den Weg gelegt?

Häußge: Keine großen, aber viele...

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