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Ein erster Blick auf das Webentwicklungsframework Wisej

Der Desktop ist nicht genug


Mit Technologien wie ASP.NET, MVC, JSP und PHP ist das Schreiben einfacher Browser­applikationen schon lange kein Hexenwerk mehr. Für komplexe Businesssoftware verlassen sich die meisten Unternehmen allerdings nach wie vor auf die klassische Desktop­anwendung – selbst bei Neuentwicklungen. Der Grund: Das Web bedingt eine komplett neue Architektur und wirft fast alle Programmierparadigmen über den Haufen, die für Line-of-Business-Anwendungen bisher galten. Das will die amerikanische Ice Tea Group jetzt ändern und verspricht mit ihrem neuen Webentwicklungsframework Wisej Browseranwendungen, die sich wie eine WinForms-Software entwickeln lassen. Das macht Wisej insbesondere auch für das Web-Enabling bestehender Softwarelösungen interessant.

Wenn man sich mit Wisej beschäftigt, taucht ein Begriff mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder in den begleitenden Materialien auf: Real Time Web Applications. Zum einen soll damit betont werden, dass Wisej eben nicht für die Erstellung von Webseiten gedacht ist. Vielmehr geht es um die Entwicklung interaktiver Anwendungen, die sich wie eine Desktopsoftware benutzen lassen. Zum anderen soll damit unterstrichen werden, dass die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen vollständig im Framework enthalten sind und von diesem eigenständig abgewickelt werden. Entwickler sollen sich also ganz auf ihre Projekte konzentrieren können, ohne über HTML, die Verwaltung von Zuständen, Ajax Callbacks oder Concurrency nachdenken zu müssen.

Einfach mal ausprobiert

Der Hersteller verspricht auf seiner Website [1] ziemlich vollmundig, die erste selbst geschriebene Webapplikation bereits nach 25 Sekunden in Betrieb zu nehmen. Machen wir also die Probe aufs Exempel.

Dazu müssen wir uns zunächst unter [2] für die Teilnahme am Betatest registrieren. Nach wenigen Sekunden ist die Bestätigungs-E-Mail da und der Download kann starten. Die Installation verläuft unspektakulär, es ist lediglich auszuwählen, ob Wisej mit Visual Studio 2012, 2013 oder 2015 genutzt werden soll. Alle verfügbaren Editionen werden unterstützt, die kostenlose Community-Edition genügt [3]. Ebenfalls unterstützt wird die Open-Source-Entwicklungsumgebung SharpDevelop [4].

In jedem Fall läuft die gesamte Entwicklung innerhalb der gewohnten IDE-Umgebung ab. Also schnell Visual Studio gestartet, und siehe da: Für Visual C# und Visual Basic gibt es unter Wisej die neuen Vorlagentypen Web Application und Web Desktop Application. Die Besonderheit bei letzterer besteht darin, dass die Anwendung zusätzlich zu den einzelnen Forms einen eigenen Desktop enthält, auf dem die Fenster platziert werden können. Gerade im Browservollbild sieht die Webanwendung damit wie ein eigener Windows-Desktop aus und verhält sich auch so – einschließlich der Möglichkeit, Fenster zu minimieren und zwischen ihnen auf dem Desktop hin- und herzuwechseln.

Wir entscheiden uns für Web Application, worauf Visual Studio das neue Projekt erstellt und den Designer startet. Ein Architekturkniff sorgt dafür, dass das spätere Webfenster pixelgenau so dargestellt wird wie später im Browser: Um das Rendering der Webkomponenten kümmert sich tatsächlich eine im Hintergrund ablaufende Browserinstanz.

In der Toolbox findet sich eine recht beeindruckende Auswahl an Werkzeugen. Von der einfachen Textbox bis zur Sprachausgabe sind darin 56 Controls und 14 zusätzliche Extensions enthalten (Abb. 1).

glomm_wisej_1.tif_fmt1.jpgAbb. 1: Webprojekt in Visual Studio mit Wisej-Controls

Zieht man beispielsweise einen Button in das Fenster, lassen sich die wichtigsten Properties sofort eingeben: Unter Text etwa die Buttonbeschriftung „Hallo Welt“. Ein Doppelklick auf den Button erzeugt den Standard-Handler für Buttonklick und wechselt in den Sourcecode. Je nach Projekttyp kann dort wie gewohnt C# oder VB.NET programmiert werden. Und auch wenn dieser Code später auf dem Server abläuft, lassen sich alle Elemente der Benutzeroberfläche direkt adressieren. Der folgende Code etwa öffnet eine Alert-Box:

private void button1_Click(object sender, EventArgs e) { AlertBox.Show("Hallo, du schöne Welt!"); }

Damit hätten wir bereits eine vollständige, wenn auch sehr kleine Webanwendung erstellt. Nach einem Klick auf den Start-Button geschieht alles Weitere automatisch: Die Anwendung wird kompiliert, auf dem in Visual Studio enthaltenen IIS-Express-Server zur Ausführung gebracht und die Anwendung im vorausgewählten Browser gestartet. Eine bestehende Verbindung zu einem öffentlich erreichbaren Webserver vorausgesetzt, ist auf ähnliche Weise auch das finale Deployment ins Internet mit wenigen Mausklicks möglich.

Ob auf dem lokalen Testserver oder im Internet: Die Anwendung funktioniert, ein Klick auf den Button lässt wie erwartet die Alert-Box erscheinen. So ist unsere erste Webapplikation in der Tat in kürzester Zeit online gegangen – auch wenn es vermutlich doch etwas mehr als die angekündigten 25 Sekunden gedauert haben dürfte. Das Bemerkenswerte daran: Wir sind nicht mit HTML oder JavaScript in Berührung gekommen und mussten uns an kein neues Framework gewöhnen, sondern die Entwicklung hat einfach genauso funktioniert wie in der bekannten WinForms-Welt.

Nochmal einen Schritt zurück

Gehen wir noch einmal einen Schritt zurück und betrachten die Softwarearchitektur, die dieses unkomplizierte Verhalten möglich macht. Wisej baut auf der Open-Source-JavaScript-Bibliothek qooxdoo auf [5], die vom deutschen Internetprovider 1&1 entwickelt wurde. Auf dieser basieren die Webmailer für 1&1- und GMX-Kunden ebe...

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